Güterwagen zum Transport von Batterien wird mit einem Gabelstapler beladen

 Volle Ladung voraus

Vom Konzept bis zur Umsetzung: DB Cargo Logistics bringt maßgeschneiderte Batterie- und Zellmodultransporte auf die Schiene. Seit Sommer 2020 bringen die Experten für Batterielogistik auf der Strecke von Braunschweig nach Zwickau auch die vielen Hundert Kilogramm schweren Batterien in die Produktionsstätte des ID.3 und ID.4.

Elektrisch in die Zukunft – immer mehr Automobilhersteller setzen auf die Kraft aus der Steckdose. Auch Volkswagen. Der Konzern treibt das Thema E-Mobilität konsequent voran und will allein für die Marke Volkswagen bis 2025 über 1,5 Millionen reine Elektro-Autos bauen und verkaufen. Den Anfang macht der neue ID.3, dessen Produktion Ende 2019 im Volkswagen-Werk Zwickau startete. Im August 2020 ging zusätzlich der ID.4 in Serie.

Dafür unabkömmlich: Lithium-Ionen-Zellen. Kamen diese bislang vor allem per Seefracht aus Asien, hat Volkswagen inzwischen auch innerhalb Europas immer mehr Zellhersteller zur Seite – unter anderem LG Chem im polnischen Wrocław. Für den Transport der Lithium-Ionen-Zellen aus Polen und anderen europäischen Ländern in die innerdeutschen Werke hat der Automobilhersteller DB Cargo Logistics als Experten für Batterielogistik ins Boot geholt. 

Innenansicht von Güterwagen zum Transport von Batterien mit Ladevorrichtungen


Genauer gesagt begann die Zusammenarbeit mit der Volkswagen-Konzernlogistik zum Thema Batterielogistik schon im Jahr 2017. Seither erarbeitete DB Cargo Logistics ein schienenbasiertes Logistikkonzept für die Batterietransporte für Volkswagen – und erhielt nach einer Ausschreibung letztendlich auch den Zuschlag für dessen Umsetzung. „Das Herzstück unserer Kooperation mit Volkswagen war von Beginn ein offener, intensiver Austausch zu Schienenlaufzeiten, Kosten, Konzeptideen und zur Verbesserung der Ökobilanz“, sagt Andrey Ludwigs, Senior Project Manager Components bei DB Cargo Logistics, und ergänzt: „Entstanden ist daraus eine maßgeschneiderte Logistiklösung, die vor allem die Themen Nachhaltigkeit und Flexibilität in den Mittelpunkt stellt – und genau aus diesen Gründen bei den Volkswagen-Logistikern punkten konnte.“

Das bedeutet: DB Cargo Logistics avanciert zum Wegbereiter einer CO2-bilanziell neutralen Supply Chain für Batterie- und Zellmodultransporte. „In einen Güterwagen passen bis zu 64 Tonnen Zuladung und damit zweieinhalbmal so viel wie in einen Lkw. Dadurch bringen wir nach der Hochlaufphase bis zu 22 Wagen pro Tag auf die Schiene – das entspricht etwa 60 Lkw-Ladungen – und unterstützen Volkswagen dabei, seine Nachhaltigkeitsziele leichter zu erreichen“, so Ludwigs weiter. Ab 2021 kann der Automobilhersteller jährlich rund 11.000 Tonnen CO2-Emissionen vermeiden.

Darüber hinaus konnte die DB Cargo-Transportlogistiklösung bei Volkswagen mit ihrer Anpassungsfähigkeit überzeugen. „Wir können äußerst flexibel auf aktuelle Gegebenheiten und den Batteriebedarf seitens Volkswagen reagieren. Bereits in der Startphase war es uns möglich, hohe Zugfrequenzen anzubieten, auf der anderen Seite können wir aber auch Volumenschwankungen abfangen oder das Netzwerk bei Mengensteigerungen schnell mitwachsen lassen“, sagt Patrick Möhle, Account Manager Sales & Operations Center bei DB Cargo Logistics.

Apropos Wachstum. Es ist zu erwarten, dass die Schiene auch künftig ein wichtiger Transportweg für Lithium-Ionen-Zellen und Batteriesysteme sein wird. „Aktuell sind die Transportvolumina zwar noch verhältnismäßig gering. Wir erwarten aber in den nächsten Monaten ein großes Wachstum“, meint Andrey Ludwigs. Und Patrick Möhle ergänzt: „Durch die Wende zur Elektromobilität werden aktuell die etablierten Zuliefererstrukturen in Europa aufgebrochen. Mit unserer Netzwerklösung für Volkswagen und der damit einhergehenden direkten Anbindung von Batteriemodulherstellern an unser Automotive Railnet haben wir einen ersten, wichtigen Schritt getan. Allerdings werden sich in dieser turbulenten Zeit die Kundenanforderungen kontinuierlich verändern. Unsere Arbeit ist somit längst nicht beendet, sondern fängt erst an.“

In der Praxis sieht das Ganze so aus: Seit dem vergangenen Jahr sind in der Hochlaufphase 25 Einzelwagen pro Woche mit Lithium-Ionen-Zellen von Polen nach Deutschland, genauer gesagt ins Volkswagen-Komponentenwerk nach Braunschweig, unterwegs. Dort werden aus den einzelnen, circa 30 Kilogramm schweren Zellmodulen die für die VW ID.-Familie benötigten Batteriesysteme gefertigt. Für die Ausbaustufe im Laufe des Jahres 2021 wird ein Volumen von mehr als 50 Einzelwagen je Woche und Richtung prognostiziert. 

„Der konsequente Einsatz der Bahn für unsere Batterie-Modul-Transporte zeigt, dass der Verkehrsträger Schiene im Volkswagen Konzern ein wichtiger Baustein für unser leistungsfähiges und nachhaltiges Logistiknetzwerk der Zukunft ist.“


Dr. Ansgar Hermes, Leiter Transportnetzwerk Materiallogistik,
Volkswagen Konzernlogistik GmbH & Co. OHG

Seit Sommer 2020 wird zudem die Strecke von Braunschweig nach Zwickau bedient, um die Batteriesysteme in die Produktionsstätte des ID.3 und ID.4 zu bringen – pro Woche fünf Züge. 

Darüber hinaus plant DB Cargo Logistics sein europaweites Netzwerk für die Erstausrüster, die Original Equipment Manufacturer (OEM) und die Batteriehersteller weiter wachsen zu lassen. Fakt ist: Mit dem Automotive RailNet bringt die Güterbahn schon heute hohe Flexibilität, kurze Laufzeiten und hohe Zuverlässigkeit in Zentraleuropa zusammen – beispielsweise durch den Transport der Waren zwischen den Automobilwerken und Lieferanten im Nachtsprung. Genau dieses Netzwerk soll nun um Angebote für Batteriehersteller und Zellen-Zulieferer ergänzt werden.

Große Lageregale mit Batterie-Modulen für E-Mobiliät

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Andrey Ludwigs

Senior Project Manager DB Cargo Logistics