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Mit intelligenten Güterwagen in die Verkehrswende starten

Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung setzt auf die „Verkehrswende” mit emissionsarmer Mobilitätund Logistik. Für den Schienengüterverkehr öffnen sich – wie allgemein für den Bahnsektor – Perspektiven,seine ökologischen Systemvorteile in eine deutlich höhere Marktakzeptanz umzusetzen. Dazu musses aber gelingen, Leistung und Produktivität entscheidend zu verbessern.

Über das aktuelle, vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderte Projekt „Innovativer Güterwagen” hinaus verfolgt DB Cargo deshalb diverse Ansätze, seine rollenden Assets „intelligent”, also kostengünstig und kundengerecht attraktiv zu machen.

Seit dem Siegeszug des Autos und damit der Lkw-Flotten kämpft der Schienengüterverkehr zumindest in Europa um das Überleben. Gründe dafür sind zum einen die verkehrspolitischen Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte mit der eindeutigen Bevorzugung des Individualverkehrs. Zum anderen liegt der geringe Marktanteil aber auch an den Eigenheiten des Systems Bahn. Mit zahlreichen, energischen Schritten steuern die Güterbahnen der negativen Entwicklung seit Jahrzehnten entgegen.

Ideen für das Asset Güterwagen

In den vergangenen Jahren ist auch das Asset Güterwagen als Objekt für Innovationen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus gekommen. Der „Technische Innovationskreis Schienengüterverkehr“ (TIS), dem Verlader, Betreiber und Fahrzeughersteller angehören, entwickelte gemeinsam mit SBB Cargo einen neuartigen Container-Tragwagen, der als „5L-Demonstrator” auf der Messe „transport” in München im vergangenen Jahr präsentiert wurde – ein Fahrzeug, das leise, leicht, laufstark, logistikfähig und Life-Cycle-Cost-orientiert ist. Einer der wesentlichen Partner des Projektes war die VTG, der Marktführer im europäischen Waggonvermietgeschäft. Nunmehr sind DB Cargo und VTG Partner im Forschungsprojekt „Innovative Güterwagen“, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ausgeschrieben wurde und mit einem Volumen von 17 Millionen Euro erstmals Mittel aus dem Bundeshaushalt für die Forschung und Entwicklung des Schienengüterverkehrs zur Verfügung stellt. Lärmminderung, Energieeinsparung und wirtschaftlicher Einsatz – das sind Ziele für den innovativen Güterwagen.

Geforscht wird beispielsweise an innovativen Drehgestellen, die den Schienenverschleiß in Kurvenfahrten verringern und durch weniger Reibungsverluste Energie einsparen. Zur Lärmminderung werden verschiedene innovative Komponenten eingebaut und erprobt. Auch die Einsatzmöglichkeiten von GPS-Überwachung für eine wirtschaftlichere Asset-Steuerung und Sensoren für die Überwachung der Ladegüter werden untersucht. Der innovative Güterzug befindet sich bis Ende 2018 auf Betriebserprobung im In- und Ausland.
 


Multifunktional und modular

Das Projekt „Multifunktionaler & Modularer Güterwagen” zeigt die Ansätze. Multifunktionalität beschreibt ein Umdenken: Nicht der klassische Waggon steht im Mittelpunkt des Interesses, sondern sein Ladungsbehälter. Beispielhaft beschrieben sei das intelligente Prinzip am Vergleich mit einem Schiebewandwagen. Anders als dieser wird das Fahrzeug konzeptionell reduziert auf einen Tragwagen, vergleichbar den Assets für den Kombinierten Verkehr – allerdings mit dem Unterschied, dass er uneingeschränkt tauglich für den Eisenbahnbetrieb der Güterbahn ist: Er nutzt das Lichtraumprofil vollständig aus, kann über den Ablaufberg rangiert werden und ist als Einzelwagen einsetzbar.

Tragwagen mit Leichtbau-Modulen

Basis des modularen Fahrzeugkonzepts ist der bereits kurz angesprochene Tragwagen, der multifunktional alle Anforderungen des Schienengüterverkehrs abdecken kann. Innovativ ist dabei das Untergestell, das – ausgestattet mit Serien-Drehgestellen oder Einachs-Laufwerken entsprechend den UIC-Normen – das rollende und tragende System für den Gütertransport bildet. Um Kostenvorteile durch höhere Stückzahlen in der Beschaffung zu erzielen, muss eine weit gehende Standardisierung des Fahrzeugaufbaus geplant werden. Sinnvoller Weise kommen die Untergestelle aus einem Baukasten. Dieser enthält Gleichteile für unterschiedliche Fahrzeuglängen des Tragwagens. Das Fahrzeug wird konstruktiv in Module zerlegt.

„Wagon Intelligence”

Im Kontext der intelligenten, innovativen Güterwagen ist als weiteres das Projekt „Wagon Intelligence” einen ganzen Schritt voran und bereits in der Implementierung. Bis zum Jahr 2020 wird zunächst die gesamte deutsche Flotte von DB Cargo mit 68000 Fahrzeugen mit intelligenten Sensoren und Telematiksystemen ausgestattet. Im „amspire”-Lab der Deutschen Bahn, das in Frankfurt/Main im House of Logistics and Mobility (HOLM) als Think-Tank für digitale Transformationen der Bahn im Asset-Management und der Instandhaltung angesiedelt ist, sind die Weichen für das umfassende Projekt dieser Prozess-Digitalisierung gestellt worden. Prinzipiell geht es darum, dass Sensoren permanent Daten über den Zustand des Wagens senden, zum Beispiel über den Beladungszustand, die Temperatur oder die Feuchtigkeit im Wageninneren sowie die Position des Fahrzeugs im Netz, und ein Stoßsensor alarmiert gegebenenfalls bei harten Behandlungen im Betrieb. 
 

Ausblick: Schneller im Netz 

Im Blick in die Zukunft zeichnen sich visionär weiter gehende Entwicklungen des Assets Güterwagen ab. Zu den zentralen Zielen wird es gehören, den Güterverkehr auf der Schiene durch höhere Geschwindigkeiten zu qualifizieren. Klimaschutz und Verkehrspolitik wollen deutlich mehr Menschen als derzeit vom Auto auf die Bahn bekommen. Die Kapazitäten des Netzes werden also selbst im Falle großzügiger Ausbauten enger. Für Güterzüge wird es da wichtig, mit mehr Tempo – etwa 140 km/h oder sogar 160 km/h – im Strom der Reisezüge mit zu schwimmen. Die technischen Erfordernisse sind über erste Ideen hinaus noch gar nicht ausgelotet. Es wird Projekte geben, die abermals innovative und intelligente Güterwagen hervorbringen – das Rad-/Schiene-System wird auch im dritten Jahrhundert seines Bestehens seinen Beitrag zu Mobilität und Logistik leisten.


(Bei den Inhalten auf dieser Seite handelt es sich um Auszüge aus einem Artikel aus der ETR Nr. 9, September 2018. Den vollständigen Artikel finden Sie als pdf-Download)
 



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