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"Unser Netzwerk und unser guter Name sind unsere Trümpfe"

Uwe Leuschner gibt Einblick in die aktuellen Herausforderungen und die langfristigen Perspektiven zwischen Russland und der EU.

Uwe Leuschner ist Senior Vice President Business Development Eurasia bei DB Cargo AG und General Manager der russischen DB Cargo-Landesgesellschaft. 

Herr Leuschner, im Augenblick ist die Zusammenarbeit zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion und der EU recht kompliziert. Wie wirkt sich das auf das Geschäft der DB Cargo Russia aus?

LEUSCHNER: Im Augenblick gibt es eine Reihe von Faktoren, die sich auf das Geschäft der deutschen Unternehmerschaft in Russland allgemein und auch der DB Cargo Russia auswirken: Die Wirtschaftskrise wird nur langsam überwunden, das politische Umfeld ist weiterhin schwierig und die EU-Sanktionen sind verlängert worden. Das führt dazu, dass der Schienengüterverkehr beeinträchtigt bleibt – und das hat eine Reihe von Konsequenzen für unser Geschäft. Die Ein- und Ausfuhren Russlands haben sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert, weil das Land weniger Außenhandel treibt. So wird weniger transportiert, lokale Produkte ersetzen die Einfuhren. Aber wir sind gut darin, schnell auf sich verändernde wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen zu reagieren. Das konnten wir beispielsweise mit einer Umstellung der Transittransporte zwischen EU und China auf die DB Cargo Russia zeigen. Hier haben wir neue Partner und Potenziale erschlossen und blicken sehr optimistisch auf dieses Jahr. 

Was zeichnet denn den russischen Markt für Schienengüterverkehr aus – und wie reagieren Sie auf diese Herausforderungen?

LEUSCHNER: Der russische Markt für Schienengüterverkehr ist immer noch stark monopolisiert. Das hat zur Folge, dass es schwer ist, konkurrenzfähige Konditionen anzubieten und frei zu handeln. Außerdem müssen wir uns als Schienenspediteur mit der oft veralteten Infrastruktur auseinandersetzen. Das führt zu technischen Problemen mit der Laufüberwachung und Fahrzeitberechnung, aber auch an den Grenzstationen. Dabei versuchen wir alternative Varianten und Wege zu finden, die Crossboarder-Lösungen und multimodale Angebote einschließen. Hinzu kommt, dass wir aktuell eine Verlagerung in den Verkehren zwischen Russland und Europa verzeichnen, statt auf der Schiene werden mehr Waren mit dem Lastwagen transportiert. Auch das ist eine Herausforderung.  

Welche besonderen Anforderungen haben russische Kunden an Sie als DB Cargo?

Unsere Kunden in Russland erwarten von uns eine gute Qualität und ein hohes Service- Niveau. Dazu gehören Zuverlässigkeit durch sichere Laufzeiten, aber auch wettbewerbsfähige Preise sowie moderne IT-Services.

Und wie sieht es mit den Kunden aus der EU aus? Was sind dort die speziellen Anforderungen, die Sie erfüllen müssen?

LEUSCHNER: Wir verfügen über eine Reihe fachlicher Kompetenzen, an denen unsere Kunden sehr interessiert sind. Dazu gehören ein ausgeprägtes regionales Know-how, aber auch die Akzeptanz bei Behörden und Bahnen der Eurasischen Wirtschaftsunion, vor allem bei der RZD und ihren Tochterfirmen. Natürlich ist die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern Voraussetzung für eine gute Qualität unserer Dienstleistungen. Wir arbeiten sehr eng mit dem Joint Venture UTLC (RZD, KTZ und BC), dem Operator und Waggonbetreiber Eurosib, der kasachischen KTZ, der weißrussischen BC oder auch den Eisenbahnen im Kaukasus zusammen. Unser Vorteil ist, dass wir bei diesen Bahnen direkt Kapazitäten einkaufen. Außerdem bieten wir unseren Kunden aus Europa Vor- und Nachläufe, Lagerung und Verzollung in Zusammenarbeit mit unseren Partnern an. DB Cargo Russia hat sich über Jahre einen guten Namen im eurasischen Markt erarbeitet. Unser Kapital heute ist vor allem unser exzellentes Netzwerk, das auf respektvollem Umgang mit unseren Partnern basiert. Sie sind ja seit den 1990er-Jahren in Russland mit einer eigenen Tochter für Schienenverkehr in Russland aktiv.

Was hat sich verändert in den vergangenen Jahren? 

LEUSCHNER: DB Cargo Russia hat sich in der Vergangenheit mit konventionellen Schienengütertransporten in Russland beschäftigt, aber seit mehr als zwei Jahren sind wir der aktive Mittler für Carrier- Dienstleistungen innerhalb des Transitkorridors zwischen China und Europa. DB Cargo Russia ist für die Breitspurstrecke 1520 „verantwortlich“ und beschäftigt sich normalerweise mit den Transporten in und aus den eurasischen Ländern, der EU und China und innerhalb dieser Region.

Dazu gehört der berühmte Chinazug ...

LEUSCHNER: Richtig. Vor acht Jahren haben wir die ersten Containerzüge aus China nach Europa gefahren. Mittlerweile ist diese Landbrücke auf der Schiene zu einem gut etablierten Produkt geworden: 2016 fuhren ungefähr 40.000 Container mit dem Zug zwischen Europa und China. Heute sind wir mit unserer DB Cargo auf einem guten Weg, diese Anzahl weiter zu erhöhen, allein für 2017 planen wir als DB rund 65.000 bis 75.000 Container. Wir sind zurzeit als DB Cargo Russia in der Situation, dass wir täglich mindestens einen Containerzug zwischen China und Europa bewegen. Aber wir rechnen auch mit neuen Märkten, zum Beispiel im Mittleren Osten, und erarbeiten neue Wege und Korridorlösungen.

Welche Kunden sind da besonders wichtig?

LEUSCHNER: Für uns sind alle Kunden gleich wichtig. Bei den Verkehren zwischen China und Europa aber sind die Elektronik-, Textil-, Auto- und Chemiebranche besonders aktiv. Allerdings versuchen wir, besondere Lösungen für große Kunden und Projekte zu finden, wie zum Beispiel für Industriepartner oder unsere Automotive-Partner und natürlich für Projekte, die wir gemeinsam mit der russischen Staatsbahn RZD durchführen.

Sie haben vor einiger Zeit eine neue Zentrale von DB Cargo Russia bezogen – warum?

LEUSCHNER: Das hat vor allem organisatorische Gründe. Wir sind nun näher beim DB Partner AO Schenker, also DB Schenker Russia, außerdem hat die neue Zentrale bessere Bedingungen, vor allem was die IT-Anbindung betrifft.

Interview Axel Novak