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Zellen mit Zukunft

Der Wandel zur E-Mobilität ist ein zentrales Thema für die Autoindustrie. DB Cargo unterstützt seine Kunden dabei. Zum Beispiel mit innovativen Konzepten zur Batterielogistik – auch über Kontinente hinweg.

Nahezu alle Fahrzeughersteller und Zulieferer konzentrieren sich auf Lithium-Ionen-Zellen.

Wer Gefahrgut befördern möchte, muss spezifische Vorschriften beachten. Sie unterscheiden sich je nach Verkehrsträger und zum Teil auch von Land zu Land. So ist die Schiene gemessen an den Unfällen je Frachttonne bis zu 42-mal so sicher wie die Straße, die deshalb stärker reglementiert ist. In China gelten aktuell jedoch striktere Rahmenbedingungen für die Bahn. Was hat das aber mit Batterielogistik zu tun? China ist der weltgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Zellen, die auch in Elektro-Fahrzeugen verbaut werden, und spielt deshalb eine wichtige Rolle für Zellen mit Zukunft die Autohersteller. Die Zellen gelten als Gefahrgut, weil sie entflammbar sind und ein Feuer nur sehr schwer zu kontrollieren ist. Will man sie also transportieren – besonders über lange Strecken – braucht es schlüssige Konzepte in puncto Sicherheit und Qualität. An dieser Stelle setzt DB Cargo an.


Konzept für China

Bereits seit 2011 befördert das Unternehmen für Partner aus der Autoindustrie Waren per Zug über den eurasischen Korridor zwischen China und Europa. „Damit waren wir einer der Vorreiter auf dieser Strecke“, so Jahn Reich, Manager Business Development im Competence Center Automotive & Logistics von DB Cargo Logistics. Dazu kommen das vorhandene Know-how im Umgang mit Gefahrgütern und die wachsenden Erfahrungen im Handling von Batterien. Reich: „Mit diesen Erfahrungen und unserem Netzwerk können wir auch für den Wandel zur E-Mobilität passende Lösungen bieten.“ Ein Beispiel dafür ist die neue Logistikkonzeptstudie für Batterietransporte von China nach Europa.

Gemeinsam mit seinen Partnern hat DB Cargo eine Route über Russland entwickelt, die verschiedene Verkehrsträger verknüpft. Dabei werden Volumen innerchinesisch per Lkw und Schiff abgewickelt und für den Weitertransport auf der Schiene ab der Grenze zu Russland auf den Zug gesetzt. Doch beim reinen Transport ist noch nicht Schluss. Gemeinsam mit DB Schenker arbeitet DB Cargo zudem an weiteren ganzheitlichen Lösungen, die die gesamte automobile Lieferkette betrachten. So können gemeinsam End-to-end-Lösungen aus einer Hand angeboten werden, die Markt- und Behördenanforderungen (siehe Infobox) gleichermaßen erfüllen.


„Wir sprechen über ein Zukunftsthema mit vielen Facetten und großen Chancen. Deshalb beschäftigen wir uns schon jetzt intensiv damit.“
JAHN REICH, Manager Business Development, Competence Center Automotive & Logistics, DB Cargo Logistics



Vorteile der Schiene

Trotz der Besonderheiten in China hat die Schiene grundsätzlich Vorteile bei der Batterielogistik: Fluggesellschaften unterliegen bei Gefahrguttransporten noch höheren Restriktionen und halten nur geringe hochpreisige Kapazitäten in Frachtmaschinen vor. Die Seefracht hat weniger engmaschige Anforderungen, aber lange Laufwege. Da die aus mehreren Zellen und Modulen bestehenden Batterien teuer sind, wird dadurch viel Kapital gebunden. „Die Schiene bietet hier viele Vorteile, die mit sinkenden Laufzeiten auf dem Korridor noch größer ausfallen werden“, ist Jahn Reich überzeugt. „Wir können hohe Volumina sicher und in relativ kurzer Zeit transportieren.“ So wurden die Laufzeiten seit Beginn der Verkehre bereits von über 25 auf bis zu 17 Tage reduziert. Mit steigendem Ausbau des Korridors könnten langfristig sogar Laufzeiten um die zehn Tage möglich werden. Das kommt Kunden in vielen Ländern und auf verschiedenen Strecken zugute.

Noch ist das Feld der Batterielogistik klein und sind die transportierten Mengen relativ gering. Aber das wird sich mit zunehmender E-Mobilität ändern. DB Cargo geht es darum, sich frühzeitig dafür aufzustellen. So wird zum Beispiel auch an modifizierten Wagen für Batterietransporte gearbeitet. Reich: „Wir sprechen über ein Zukunftsthema mit vielen Facetten und großen Chancen. Deshalb beschäftigen wir uns schon jetzt intensiv damit.“ Es gilt, die richtigen Lösungen für künftige Anforderungen der E-Mobilität bereitzuhaben. Effiziente Batterielogistik wird sicherlich ein Teil davon sein.


BATTERIEN AUF DER SCHIENE

Das Gefahrenpotenzial von Batterien ist abhängig von ihrer Größe und Art. Für den Transport gelten deshalb unterschiedliche Regelwerke und Vorschriften.

Müssen besondere Pack- und Kennzeichnungsregeln beachtet werden?
Eine vollständige und richtige Kennzeichnung mit Gefahrgutklasse und UN-Nummer ist obligatorisch. Genaueres ist in den sogenannten Packing Instructions geregelt. Es gelten die Bestimmungen zur internationalen Beförderung von Gefahrgut auf der Schiene (RID). Sie sind identisch mit den Vorschriften für die Straße (ADR) und ähneln stark den Regeln für den Schiffsverkehr (IMDG-Code).

Gibt es Beschränkungen beim Transport von Lithium-Ionen-Batterien bezüglich Menge, Gewicht oder Volumen?
Sofern die Pack- und Kennzeichnungsregeln sowie UN-Prüfvorschriften beachtet werden, gelten für den reinen Schienentransport von großen Fahrzeugbatterien keine Limits. Ausnahmen bilden Prototypen und Kleinserien. Im kombinierten Verkehr sind Regeln für den Vor- und Nachlauf per Lkw zu beachten.

Gibt es Ausnahmeregeln bei Batterietransporten?
Lediglich in China. Dort ist der Transport von Lithium-Batterien auf der Schiene aktuell strikt verboten. Alternativen vor Ort sind die Beförderung per Lkw zur/ab der Grenze oder per Schiff nach Wladiwostok in Russland, um dort auf den Zug verladen zu werden.


Jahn Reich,
Manager Business Development, Competence Center
Automotive & Logistics, DB Cargo Logistics
jahn.reich@deutschebahn.com