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Auf dem besten Holzweg

Der Wald ist ein nachwachsender Rohstofflieferant mit riesigem Potenzial. Für nachhaltige Lösungen in diesem Bereich arbeitet DB Cargo Logistics mit den Bayerischen Staatsforsten an einem Konzept, um künftig mehr Holz auf die Schiene zu bringen.

Die Logistik befindet sich im schnellen Umbruch. Eine hohe weltwirtschaftliche Dynamik und steigende Volatilität der Lieferströme fordern stetiges Umdenken bei Planung und Vertrieb. Flexibles Agieren ist gefragt: Logistiker müssen heute in verzahnten Logistikkonzepten denken, über die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden hinweg. Umso spannender ist es, diese Dynamik in Echtzeit mitzuerleben, wenn man einem Spitzentreffen beiwohnt, auf dem der größte Waldbesitzer Deutschlands das Bekenntnis ablegt:

Wir wollen der wachsenden Bedeutung von Holz als nachwachsendem Rohstoff damit Rechnung tragen, dass wir auch unsere Holzlogistik möglichst nachhaltig gestalten.“

Das erklärte Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, bei einem Strategietreffen Anfang August 2017 in Regensburg, an dem Vertreter von DB Cargo Logistics und den Staatsforsten teilnahmen.


Nachhaltig Wirtschaften in der Logistik

Das Bekenntnis zu nachhaltigen Verkehren beinhaltet zugleich ein Bekenntnis zum Schienengüterverkehr – zu DB Cargo Logis­tics, mit der die Bayerischen Staatsforsten seit 2005 bereits eng und erfolgreich zusammenarbeiten. Als Privatunternehmen des Freistaats Bayern bewirtschaften die Staatsforsten rund 755.000 Hektar Wald, sie unterhalten 40 Forstbetriebe im Freistaat und einen in Österreich – und sind damit der größte Forstbetrieb in Deutschland. 33.000 Einzelwagentransporte hat die Güterbahn in den letzten 12 Jahren für das Unternehmen durchgeführt, 1,75 Millionen Tonnen Holz wurden dabei bewegt. So wurden gegenüber dem Straßentransport 2.200 Tonnen CO2 eingespart, wie ein Zertifikat belegt, das der CEO der DB Cargo Logistics Jens Nöldner dem Vorstand der Bayerischen Staatsforsten anlässlich des Strategietreffens übergab.

Nicht von ungefähr stammt der Begriff der Nachhaltigkeit ursprünglich aus der Waldwirtschaft, es gibt ihn schon seit dem Mittelalter. Nachhaltigkeit in der Waldwirtschaft bedeutet: Dem Wald dürfen nicht mehr Bäume entnommen werden, als nachwachsen. Eine Tradition, die verpflichtet: Wer sich der nachhaltigen Wirtschaft verschreibt, möchte natürlich auch, dass die Weiterverarbeitung möglichst nachhaltig erfolgt.

Daher erarbeitet DB Cargo Logistics gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten derzeit ein Konzept, das nach und nach mehr Holz auf die Schiene bringen soll, das bislang mit dem Lastwagen transportiert wird. Denn die Bahn ist nicht nur der nachhaltigste Massenguttransporteur, sondern pflegt traditionell eine enge Verbindung mit der Holzindustrie, erläutert Jens Nöldner: „Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren der Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten bewiesen, dass wir in der Lage sind, große Mengen Rundholz zu den europäischen Empfängern zu transportieren, und dabei als zuverlässiger und flexibler Partner innerhalb der Wertschöpfungskette zu fungieren.“ In der Regel handelt es sich dabei um Kunden aus der Säge-, Zellstoff-, Holzwerkstoff- und Verpackungsindustrie, die über ganz Deutschland und Österreich verstreut sind.

Die Konzeptidee ist folgende: Lkw-Fahrten reduzieren und den Verkehrsträger Schiene dabei zeitgleich stärken. Das bedeutet in der Praxis, dass in Zukunft mehr Logistikflächen eingerichtet werden sollen, damit das Nutzholz schnell mit der Bahn abtransportiert werden kann. Timberport – von dem englischen Wort „Timber“, übersetzt „Holz“ – heißen diese Standorte.

Analyse über das Holzaufkommen

Als erster neuer Timberport ging im Januar 2017 der Verladebahnhof Parkstein-Hütten im Bayerischen Wald in Betrieb. Künftig sollen die Timberports als bimodale Logistikanlagen die Verkehrsträger Straße und Schiene miteinander verknüpfen, zugleich sollen sie möglichst nahe den Stellen errichtet werden, wo der Holzeinschlag stattfindet, um den Lkw-Vorlauf kurz zu halten. Eigens hierzu erstellen die Bayerischen Staatsforsten eine Analyse zum Holzaufkommen, um weitere Standorte für Verladestellen auszumachen.

In den Timberports kann Holz fachgerecht gelagert werden, eine Bewässerungsanlage sorgt für die Befeuchtung und verhindert damit den Qualitätsverlust des Rohholzes. Der Umschlag zwischen Lkw, Lager und Bahnwaggon erfolgt durch mobiles Umschlaggerät vor Ort. „Die Timberports sind Logistikanlagen, die auch als Zwischenlager fungieren, die saisonale Nachfrageschwankungen auffangen und in denen dann insbesondere auch ergänzende Dienstleistungen durchgeführt werden können, etwa die Produktion von Waldhackschnitzeln oder auch die Lagerung, der Umschlag und Transport von Schnittholz“, erläutert Martin Fiebig, zuständiger Key Accounter bei DB Cargo Logistics. Um ein Komplementärangebot zum Einzelwagensystem zu ermöglichen, werden die Bayerischen Staatsforsten und Logistiker von DB Cargo Logistics auch Ganzzüge aufsetzen, die von den Timberports direkt zu den Kunden der holzverarbeitenden Industrie laufen sollen.

Gleichzeitig erlauben die Timberports den Anschluss an den Fernabsatzmarkt, sprich: Durch die Anbindung ans europäische Schienennetz eröffnen sie neue Kundenpoten­ziale sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland. Dass sich eine Erweiterung des Geschäftsfeldes lohnen wird, liegt auf der Hand. Die Nachfrage nach Holz steigt, und zwar weltweit. Holz erlebt derzeit eine Hochkonjunktur – als Energieträger, als Werkstoff, als Material in der Bauindustrie. Holz wird immer populärer. Dazu hat der Rohstoff positive Umwelteffekte: Der Wald, seine Nutzung und Holznutzung binden CO2 in Beständen und Holzprodukten und schützen das Klima, weil sie fossile und energieintensive Materialien zunehmend ersetzen. Nachhaltige Waldnutzung schafft zudem Vielfalt und erhält die Biodiversität.

Die Schiene ist idealer Verkehrsträger

„Um Holz über längere Strecke zu transportieren, ist die Schiene besonders gut geeignet. Die Bahn hat im Vergleich zum Lkw sehr viel höhere Auslastungsmöglichkeiten“, erläutert Martin Müller, Logistik-Chef bei den Bayerischen Staatsforsten. „Wir sehen ihre Stärke vor allem dort am besten, wo sie Teil der Wertschöpfungskette ist.“ Das ist der Trumpf der Bahn und der gemeinsame Vorteil, den die Bayerischen Staatsforsten und DB Cargo Logistics aus der Zusammenarbeit ziehen: Das nachhaltige Zusammenspiel aus Holzerzeugung und -verwendung der jeweiligen verarbeitenden Industrien eröffnet den Logistikern die Möglichkeit, feingliedrige und vernetzte Rundläufe einzurichten, von denen nicht nur der Erzeuger, sondern auch die Abnehmerindustrie und die Bahn selbst profitieren. Damit kommt eine Entwicklung in Gang, die nicht nur den Kunden der Bahn zugute kommt, sondern allen.


Holzlogistik bei DB Cargo

Mit mehr als 80.000 Transporten jährlich ­gehört DB Cargo Logistics zu den größten Holzlogistikern Europas. DB Cargo Logistics verfügt über ein europaweites Netzwerk – rund um den Verkehrsträger Schiene. Mehr als 50 Mitarbeiter kombinieren das Wissen einer erfolgreichen Holzspedition mit der Bahnkompetenz von DB Cargo AG an 5 Standorten in Deutschland, sowie in Mailand, St. Petersburg und Stockholm. 2016 ging DB Schenker Nieten in der DB Cargo Logistics auf. Der Zusammenschluss hebt Synergien, um die hohen Qualitätsanforderungen der europäischen Kunden besser zu erfüllen und die Attraktivität der Bahn für die Holzindustrie zu steigern. Schwerpunkte bilden ­europaweite Bahnlieferungen von Rohholz, Schnittholz, Spanplatten, Hackschnitzel, Biomasse und Altholz. DB Cargo Logistics steuert dafür ­eine Flotte von etwa 1.400 Spezialwagen für Rundholz- und Schnittholztransporte. Ergänzt wird das Angebot durch logistische Dienstleistungen wie Lkw-Transporte von und zu Verladebahnhöfen, Umschlag und ­Lagerung.

(mh)