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"Arten- und Naturschutz sind Teil unserer DNA"

Andreas Gehlhaar ist bei der Deutschen Bahn für Umwelt und Lärmschutz zuständig. Im Interview erläutert er, warum die Bahn so nachhaltig ist – und wie sie dazu beitragen kann, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen.

Herr Gehlhaar, in letzter Zeit hört man immer mehr über Bienen in Verbindung mit der Bahn. Eine ungewöhnliche Kombination. Was hat es damit auf sich?

Der Arten- und Naturschutz sind Teil der DNA der Deutschen Bahn. In über 12.000 Projekten engagieren sich die Mitarbeiter der DB jeden Tag für den Umweltschutz. Eines dieser Projekte ist die Förderung von Honigbienen. Denn Bienen sind ein wichtiges Rückgrat für eine intakte Natur. Aber – und hier liegt das Problem – schon seit Jahren gehen die ­Bestände auch in Deutschland teilweise dramatisch zurück. Dem wollen wir entgegenwirken. Deshalb stellt die Deutsche Bahn privaten Imkern mehrere 100 Flächen für die Ansiedlung von Bienen zur Verfügung. Und das kostenfrei. Das ist für uns aktiver Artenschutz.

Nun ist die Bahn ja auch in weiteren Umweltbereichen tätig. Wo ist dort der dringendste Handlungsbedarf und was macht die DB?

Wir müssen Umwelt und Wirtschaft zusammendenken. Das ist der Kernansatz. Das gilt für unsere Ziele vom Klimaschutz bis zu konkreten Naturschutzprojekten wie die Bienen, über die wir eben sprachen.
Ganz oben auf der Agenda stehen drei Aufgaben: unser Beitrag zum Klimaschutz, der nachhaltige Ausbau erneuerbarer Energien und ein leiserer Zugverkehr – insbesondere im Güterbereich.
Vor allem beim Klimaschutz können wir als Deutsche Bahn einen zentralen Beitrag leisten. Denn wir sind in weiten Teilen bereits heute klimaschützend und umweltschonend unterwegs. Und wir haben uns vorgenommen, noch besser zu werden. ­Erstens wird unser Fernverkehr ab dem Jahreswechsel komplett – also zu 100 Prozent – mit Ökostrom unterwegs sein. Zweitens wollen wir unseren Treib-hausgas-Ausstoß bis 2030 mehr als hal-bieren. Damit sind wir mit Abstand das umweltfreundlichste Mobilitätsunternehmen – nicht nur in Deutschland. Bereits heute beträgt der Anteil erneuerbarer ­Energien am DB-Bahnstrommix 42 Prozent. Bis 2030 wollen wir ihn auf 70 Prozent steigern. Das ist grün.
Gleichzeitig arbeiten wir aktiv daran, dass der Güterverkehr auf der Schiene deutlich leiser wird. Dazu rüsten wir unsere gesamte in Deutschland fahrende ­Güterwagenflotte mit Flüsterbremsen aus. Ende dieses Jahres werden bereits über 39.000 Wagen leiser fahren und 2020 wird die Flotte zu 100 Prozent umgerüstet sein. Zudem investieren wir ­gemeinsam mit dem Bund jährlich rund 100 Millionen Euro in Lärmschutz. Bis heute sind bereits gut 1.600 Kilometer mit Schallschutzwänden und über 55.000 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet worden. Denn ein leiser Güterverkehr auf der Schiene ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass es zu einer Verlagerung von der Straße auf die grüne Schiene kommt.

Die Bahn engagiert sich doch sicher noch mehr im Umweltschutz. Wie bekommen wir davon mehr mit?

Die Deutsche Bahn ist das umweltfreundlichste Mobilitätsunternehmen in Deutschland. Vom Ökostrom in den Zügen über unsere grünen Bahnhöfe bis hin zu ­Recycling und Projekten zum Schutz von Falken, Fledermäusen oder sogar Eich­hörn­chen. Umweltschutz ist für uns eine 360-­Grad-Aufgabe, die wir 365 Tage im Jahr anpacken. Diese vielfältigen Projekte fassen wir ab sofort unter einem Dach zusammen. Unter dem Motto „Das ist grün.“. Wir starten mit 112 grünen Projekten, weil wir vor 112 Jahren zum ersten Mal einen Zug mit sauberem Ökostrom in Betrieb genommen haben – übrigens aus unserem eigenen Wasserkraftwerk in Kammerl. Das war der Startschuss des umweltfreundlichen und klimaschonenden Zugverkehrs in Deutschland. Aber natürlich machen wir noch viel mehr – deshalb wird diese grüne Zahl kontinuierlich wachsen.


Sie sprachen davon, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Doch wie genau soll das erreicht werden und was würde der DB helfen, dieses immer wieder formulierte Ziel auch tatsächlich zu meistern?

Wenn es gelingt, mehr Verkehre von der Straße auf die grüne Schiene zu bringen, ist das nicht nur aktiver Klimaschutz. Es hilft auch den Menschen vor Ort: Denn indem mehr auf der Schiene transportiert wird, entlasten wir gleichzeitig unsere Straßen und Dörfer. Schlicht, weil dann weniger laute und schädliche Lkw unterwegs sind. Deshalb ist Lärmschutz für uns ebenfalls aktiver Umweltschutz.
Mehr Verkehr auf der Schiene ist für uns als DB aber natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor. Um beides – Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit – zu erreichen, braucht es einen ganzen Instrumentenkasten. Ich will daraus zwei herausgreifen: zum einen den gezielten Ausbau der Infrastruktur, den die Deutsche Bahn nur gemeinsam mit den politischen Entschei- dungsträgern gehen kann. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan zeigt die richtige Richtung. Zum anderen muss das Trassenpreissystem – die Maut für die Schiene – nachhaltig wettbewerbsfähig werden. Was hier besonders wichtig ist: Die signifikante Senkung der Trassenpreise hilft nicht nur uns als Deutsche Bahn, sondern allen Unternehmen, die auf der Schiene unterwegs sind.

Sie haben diverse Umweltschutzprogramme erwähnt, die die DB im Umweltbereich umsetzt, wenn sie Streckenabschnitte ausbaut bzw. neu anlegt. Was ist das ­Besondere daran, schließlich ist die DB doch zum Flächenausgleich verpflichtet?


Zu einer ehrlichen Lagebeschreibung gehört die Aussage: Wenn wir bauen, um das System Schiene zu verbessern, dann kommen wir teilweise um Eingriffe in die Natur nicht herum. Für uns als DB ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit – ich sprach vorhin davon, dass dies in unserer DNA enthalten ist –, Tierarten eine neue Heimat zu geben und Naturflächen an anderer Stelle wieder aufzubauen. Allein 2016 hat die DB rund 1.800 Projekte zum Artenschutz umgesetzt und dabei bis zu 140 Millionen Euro ausgegeben.
Die Strecke Berlin–München, die im Dezember in Betrieb gehen wird, ist im Übrigen hierfür ein Paradebeispiel. Hier ist eine grüne Achse entstanden. Auf einer Fläche von rund 5.500 Fußballfeldern sind Brutkästen für Falken, besondere Lärmschutzwände an den Tunneleingängen oder neue Flussauen entstanden. Bei diesem Engagement sind wir oft über die vorgeschriebenen Maßnahmen hinaus­gegangen.
Der Bau der über sechs Kilometer langen Saale-Elster-Talbrücke wurde im sogenannten Vorkopf-Vorschub-Verfahren verwirklicht. Hierdurch wurden Bauflächen in der Aue größtenteils vermieden und die vorhandenen Habitate geschützt.

Sie sind auch Lärmschutzbeauftragter: Was sind die Ambitionen der DB, um den Lärm auf der Schiene zu reduzieren?

Die Reduzierung des Schienenverkehrslärms ist ein zentrales Unternehmensziel der Deutschen Bahn. Der Verkehrslärm hat sich zu einer großen Belastung für viele Menschen entwickelt. Wir wollen, dass Anwohner von Bahnstrecken sich tagsüber nicht nur ungestörter im Garten aufhalten können, sondern auch nachts ruhiger schlafen können. Daher haben wir uns vorgenommen, den Schienenverkehrslärm bis 2020 zu halbieren. Auf diesem Weg haben wir schon viel erreicht. DB Cargo nimmt eine Vorreiterrolle bei der Umrüstung der ­Wagen ein. Das hat natürlich seinen Preis: So investiert allein DB Cargo zusätzlich 230 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 in die Umrüstung der Güterwagen.

Würden Sie sich beispielsweise bei der Finanzierung von neuen Bremssohlen und Lärmschutzstrecken mehr Unterstützung durch die Politik erhoffen?

Ich finde, dass wir Rückenwind aus der Politik haben. Und trotzdem gibt es natürlich noch eine ganze Reihe Punkte, die dem Verkehrssektor Schiene insgesamt noch weiterhelfen. Das gilt für die Diskussion um die Trassenpreise genauso wie für die EEG-Umlage oder die Stromsteuer. Und natürlich wäre eine Förderung der erhöhten Betriebskosten, die durch die Umrüstung der Güterwagen entstehen, ausgesprochen hilfreich.
Aus meiner Sicht muss man aber auch sehen, dass der Bund bereits eine Menge in die Schiene investiert. So haben beispielsweise Bund und Deutsche Bahn Ende 2012 mit der Einführung des lärmabhängigen Trassenpreissystems einen wirksamen Anreiz zur Ausstattung der Güterwagen mit moderner Bremstechnik geschaffen. Gleichzeitig hat der Bund ein Förderprogramm mit einem Volumen von 150 Millionen Euro zur Umrüstung der Güterwagen aufgelegt. Laute Güterwagen sind in Deutschland ab dem Fahrplanwechsel 2020/21 verboten. Darüber hinaus werden Forschungsprogramme für Fahrzeuge und Infrastruktur gefördert.

(AN)