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Der Algorithmus macht den LEADER aus

Mit einem neuen Fahrassistenzsystem beschreitet DB Cargo im Schienengüterverkehr digitale Wege. Projektleiter Niels Weigelt erläutert, wie das gelingt.

Herr Weigelt, was ist LEADER?

Weigelt: LEADER ist ein Fahrassistenzsystem, das wie ein persönlicher Assistent des Lokführers auf der Lok eingesetzt wird. Es erleichtert die Arbeit des Lokführers, weil es auf der Grundlage der Fahrplanpuffer und der Streckentopografie die optimale Geschwindigkeit errechnet, um die Fahrzeiten einzuhalten und energieeffizient unterwegs zu sein. Unsere Ziele sind also eine verbesserte Energieeffizienz und eine höhere Pünktlichkeit.

Wie ist der Stand?

Weigelt: Wir haben LEADER im Oktober 2016 eingeführt. 300 E-Triebfahrzeuge der Baureihen 145, 152 und 185 sind bereits mit dem System ausgerüstet, alle 4.500 Lokführer von DB Cargo haben eine entsprechende Schulung absolviert. In den ersten Monaten haben wir ein Feintuning der LEADER-Parameter durchgeführt und Kinderkrankheiten beseitigt. Über eine Hotline und eine eigene Mailadresse für Lokführer erhalten wir ständig Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge, die in die Systementwicklung einfließen.

Welche Bedeutung hat das System denn für DB Cargo?

Weigelt: Die LEADER-Einführung ist ein Innovationsprojekt, bei welchem wir erstmalig einen Schritt in Richtung Automatisierungsunterstützung mittels Fahrassistenz für die Triebfahrzeugführer gehen. LEADER soll DB Cargo helfen, die Energieeffizienz zu erhöhen und als Verkehrsträger noch nachhaltiger zu werden. Wir haben erkannt, dass wir ohne technische Hilfsmittel bei der Energieeffizienz nicht mehr weiterkommen. Also haben wir als erste große europäische Eisenbahn ein solches Assistenzsystem in einer größeren Teilflotte im Regelbetrieb eingeführt.

Welche Daten werden für die Optimierung verwendet?

Weigelt: LEADER verwendet digitalisierte Fahrplan- und Topografiedaten. Bei Fahrtbeginn werden die Daten online von einem Server auf das LEADER- Gerät geladen. Während der Fahrt lokalisiert sich LEADER durch eine eigene GPS-Antenne und weiß so, wo sich der Zug im Streckenprofil befindet und welche Fahrplanpuffer noch vor ihm liegen. Die Fahrempfehlungen werden kontinuierlich optimiert und auf dem LEADER-Gerät angezeigt.

Gab es eigentlich Vorbehalte bei den Lokführern?

Weigelt: Die Einführung von Assistenzsystemen bedeutet eine nicht unerhebliche Veränderung des Arbeitsalltags der Lokführer. Auf einmal ist da so ein Kästchen, welches scheinbar „alles besser weiß“. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wir wollen die Lokführer ja nicht bevormunden, im Gegenteil – sie sollen weiterhin ihre Erfahrung einbringen, aber eben auch die Empfehlungen von LEADER in ihre Fahrentscheidungen einbeziehen. Unsere Lokführer bleiben die Chefs auf der Lok. Unter dem Motto „Mit LEADER ganz vorn dabei“ wurde die Einführung von LEADER durch Plakate, einen Film und persönliche Starter-Kits für alle Lokführer begleitet. Natürlich funktioniert in Innovationsprojekten nicht immer alles auf Anhieb. Die rege Beteiligung der Lokführer an den Verbesserungsvorschlägen zeigt uns aber auch, dass dieses System zunehmend angenommen wird.

Was ist als Nächstes geplant?

Weigelt: Wir entwickeln LEADER schrittweise mit den Lokführern weiter. Bestimmte Elemente wie die Anzeige des Streckenprofils kommen sehr gut an. Im nächsten Schritt werden wir das Anzeigelayout weiterentwickeln. Im kommenden Jahr wollen wir elektronische Fahrempfehlungen von DB Netz über vorausfahrende Züge integrieren, später sollen weitere Live-Daten dazukommen. In einem weiteren Schritt soll LEADER auch grenzüberschreitend eingesetzt werden.

Einzigartiges System

Die Idee zu einem solchen Fahrassistenzsystem entstand bei DB Cargo schon vor vier Jahren. Damals gab es vergleichbare Systeme im Personenverkehr, aber nicht im Schienengüterverkehr. DB Cargo hat sich für Knorr-Bremse als Partner entschieden und LEADER seit 2013 entwickelt und erprobt. Ziel war eine relativ einfache und unkomplizierte Lösung für verschiedene Baureihen. Deshalb ist das Gerät zwar auf der Lok fest verbaut, aber nicht an die Lok-Systeme angeschlossen und verfügt über eine eigene GPS-Einheit. 

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