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Rail News, September 2015

Expresszug ans Mittelmeer

Mit einem überzeugenden Angebot konnte DB Schenker Rail Automotive Zwischenwerksverkehre von Deutschland nach Spanien von der Straße auf die Schiene holen.

Gleich einen doppelten Erfolg konnte DB Schenker Rail Automotive bei der Ausschreibung von Materialtransporten für den Automobilhersteller SEAT vermelden: Die europäische Güterbahn erhielt nicht nur einen großen Auftrag für die Werksversorgung, sondern konnte gleichzeitig die europäischen Fernstraßen massiv entlasten.

Seit Mitte 2014 fährt DB Schenker Rail Blechteile, Getriebe und andere Automobilteile aus deutschen Volkswagen-Werken in das SEAT-Werk Martorell bei Barcelona. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Waggons in beide Richtungen mit Voll- oder Leergut ausgelastet sind. Die Automobilteile waren zuvor per Lkw auf der Straße nach Spanien gelangt. Mit einem ausgefeilten Konzept konnte DB Schenker die Volkswagen-Konzernlogistik überzeugen, auf die umweltfreundliche Schiene umzusteigen. Damit konnte sich DB Schenker Rail bei der Ausschreibung gegen zahlreiche internationale Wettbewerber durchsetzen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung zu Gunsten von DB Schenker Rail Automotive war neben dem konkurrenzfähigen Preis und der Zuverlässigkeit der Schienenverkehre die schnelle Laufzeit der europäischen Güterbahn: „Wir fahren am Freitag in Fallersleben los und sind am Montagmittag im SEAT-Werk in Martorell. Wir sind also mit unserem Shuttle-System genauso schnell wie ein Lkw“, rechnet Andrey Ludwigs vom Vertrieb VW Europe Components, DB Schenker Rail Automotive, vor. Ein weiteres Argument für den Zuschlag waren die modernen Optionen für Track and Trace. Das System zur Sendungsverfolgung bei DB Schenker Rail Automotive ist nicht nur in der Lage, jederzeit die Position eines Waggons mit den gesuchten Gütern anzuzeigen, sondern es ermöglicht den Disponenten sogar die Suche nach Artikelnummer und Stückzahl.

Die Komponententransporte starten derzeit aus den Volkswagen-Werken Wolfsburg-Fallersleben, Braunschweig und Kassel-Baunatal. „Bei den Verkehren handelt es sich um Einzelwagenverkehre, die in das Automotive-Produktionsnetzwerk, das sogenannte Automotive RailNet, eingesteuert und zu betrieblichen Ganzzügen konsolidiert werden“, erläutert Klaas Lange, Customer Projects bei DB Schenker Rail Automotive. Sie werden in Kaiserslautern-Einsiedlerhof in das bestehende Mediterranean Shuttle integriert, das aus Mannheim kommt, in Einsiedlerhof und Saarbrücken Zuladungen aufnimmt und dann weiter nach Frankreich und Spanien fährt. Im Shuttle sind auch andere Fahrzeughersteller eingebunden, etwa Opel und Ford. „Wir konnten die SEAT-Verkehre hier gut einsteuern“, erklärt Andrey Ludwigs. „Das zusätzliche Volumen führt dazu, dass wir unsere Auslastung der Züge verbessern und ein hochfrequentes System anbieten können, welches aufgrund des Laderaum-Vorteils bei Schwergutrelationen gegenüber dem Lkw preisgünstig ist.“

Wird im SEAT-Werk eine Bestellung über eine bestimmte Anzahl von Komponenten ausgelöst, kann DB Schenker Rail auf der Stelle reagieren. Dabei hilft das interne System „Link BPA“ der DB Schenker Rail Automotive. Über dieses System werden die Transportaufträge aus Spanien ausgelöst. „Es sind keine Frachtbriefe mehr nötig, und alle beteiligten Partner sind automatisch eingebunden“, erklärt Klaas Lange. „Deshalb können wir auch die kurzen Laufzeiten garantieren.“ Das System wird von Mitarbeitern der spanischen DB Schenker Rail-Tochter Transfesa bedient.

Kooperation mit der Transfesa

Neben der Transfesa ist mit der französischen ECR noch eine weitere Tochtergesellschaft von DB ­Schenker Rail in das Projekt eingebunden. An der französischen Grenze übernimmt die ECR die Trans­port­durchführung des Mediterranean-Shuttles und steuert es an die französisch-spanische Grenze. Dort wartet eine infrastrukturelle Herausforderung: Deutschland und Frankreich verfügen über ein Schienensystem in der europäischen Normalspur, die ­iberischen Bahnen aber fahren auf Breitspur. Die Waggons werden „umgeachst“, sie werden angeho­ben, die Achsen ausgewechselt. Das übernimmt im französisch-spanischen Grenzbahnhof Cerbère die DB Schenker-Tochter Transfesa. „Wir freuen uns, zusammen mit der Konzerntochter Transfesa eine starke Lösung für unseren Kunden SEAT auf die Beine gestellt zu haben“, erläutert Sandra Uebel, DB Schenker Services Spain & Portugal.

Das letzte Stück der Strecke wird mit der spanischen Staatsbahn RENFE zurückgelegt, die den Transport zum SEAT-Werk in Martorell bei ­Barcelona übernimmt. Im Werk selbst übernehmen erneut Transfesa-Mitarbeiter die Koordination der Güterwaggons. Für die Gegenrichtung werden dann die leeren Gestelle für die Komponenten verladen und wieder in die Volkswagen-Werke zurückgefahren.

Ein großer Vorteil des DB Schenker-Verbunds ist der direkte und schnelle Informationsfluss ­zwischen den DB Konzerntöchtern. Die Aufträge laufen elektronisch im Europäischen Kundenzentrum EOC/OOC1 in Duisburg ein und werden zeitgleich an die beteiligten Partner  ECR und Transfesa übermittelt, sodass die Mitarbeiter dort frühzeitig informiert sind, welche Waggons auf sie zulaufen. „Damit wissen die involvierten Partner frühzeitig, welche Ressourcen zum Beispiel für die Traktion in Frankreich oder die  Umachsung an der französisch-spanischen Grenze geplant werden müssen“, erläutert Klaas Lange. Im OOC1 beobachtet ein eigens dafür eingesetzter Mitarbeiter die Materialverkehre und steht dem Kunden jeden Tag für alle Fragen rund um diese Spanienverkehre zur Verfügung.

Aktuell sind in jeder Woche 50 Güterwaggons pro Richtung zwischen Deutschland und Spanien unterwegs. Drei von fünf Volkswagen-Werken sind bereits „aufgeschlossen“, das heißt, die Prozesse in der Versandsteuerung sind von der Verladung auf Lkw auf den Schienenverkehr umgestellt. Sobald alle fünf Werke in die Rundläufe einbezogen sind, wird ein Gesamtvolumen von etwa 5.000 Transporten im Jahr erwartet.

Letzte Aktualisierung: 15.10.2015

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