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Railway News, Juni 2016

Erste Hilfe

DB Cargo setzt verstärkt auf mobile Instandhaltungsteams. Weil sie unterwegs reparieren, sind Wagen und Loks schneller wieder für den Kunden im Einsatz.

Wolfgang Riebesel greift zum Maulschlüssel der Größe 55. Mit dem riesigen Werkzeug, das im Privathaushalt etwa bis zur Größe 18 üblich ist, löst der Handwerker die Verbindung zwischen Drehgestell und Wagenkasten am Container-Tragwagen 681. Denn dieser hat ein Problem – und Riebesel wird es beseitigen. Gemeinsam mit Wagenmeister Heinz Rossol bildet er ein mobiles Instandhaltungsteam von DB Cargo. Ein 4,5 Tonnen-Transporter ist ihre ambulante Werkstatt für ein weites Einsatzgebiet, den Hamburger Hafen.

Für DB Cargo sind bundesweit 37 Teams für Güterwagen und 21 für Loks aktiv. Die Teams erledigen kleine Reparaturen vor Ort. Das spart Zuführungszeiten in die Werke. Wagen können so statt nach fünf Tagen oft am nächsten Tag wieder rollen. Heute werden zwei von fünf Waggons mobil repariert. Damit erfüllen die kleinen schlagkräftigen Teams auch eine strategische Funktion: Sie steigern direkt die Verfügbarkeit von rollendem Material und damit die Kundenzufriedenheit.

„Wir haben alles dabei: einen Generator, mit dem wir ein Schweißgerät betreiben können, ein Hydraulikaggregat, diverse Akkuschrauber“, zählt Riebesel nur einige Werkzeuge auf. Sie öffnen sie zum Beispiel verklemmte Türen und beseitigen Bremsstörungen, meistens innerhalb eines Tages, am Gleis oder direkt beim Kunden. Das spart Zuführungszeiten in das Werk Maschen, wo sich die Mitarbeiter um umfassendere Instandhaltungsarbeiten und Revisionen kümmern.

Das Einsatzgebiet des mobilen Teams heute: Das Schadwagensammelgleis im Hafenbahnhof Alte Süderelbe im Stadtteil Moorburg. Riebesel erklärt die Probleme bei Wagen 681: „Blockiert ein Radsatz beim bremsen, entstehen Aufschweißungen wie hier, kleine Erhebungen die das bekannte Klacken verursachen.“ Normalerweise heißt es dann: Die Stelle abtragen. Das ist in diesem Fall aber nicht mehr möglich: „Hier hilft nur ein Radsatzwechsel“, sagt Riebesel.

Er ruft im Werk in Maschen an, dort startet Klaus Kukula einen Lkw mit einem neuen Radsatz. In der Zwischenzeit repariert das Team die nächsten – so geht keine Zeit verloren. Nach einer Stunde ist der Lkw zur Stelle. Riebesel und Rossol setzen die Hydraulikausrüstung ein und Wagen 681 hebt sich. Zu dritt rollen sie das Drehgestellt mit dem alten Radsatz auf den Schienen in Richtung Lkw-Kran. Dieser hievt das tonnenschwere Teil an einer Seite an. Alter Radsatz raus, neuer Radsatz rein, Drehgestellt unter den Wagen rollen, festschrauben – fertig! Riebesel und Rossol machen Feierabend, die zweite Schicht übernimmt. In Europas größtem Eisenbahnhafen ist für die Güterwagen-Ambulanz immer was zu tun.


Letzte Aktualisierung: 30.06.2016

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