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 Digital und automatisch

Digital und automatisch: So wird zeitgemäßes Kuppeln im Schienengüterverkehr funktionieren. Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragte Pilotprojekt zur Demonstration, Erprobung und Zulassung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) für den Schienengüterverkehr startete im Juni und befindet sich jetzt in der Testphase.

Aktuell finden Tests in Görlitz statt, wo die Kupplungen auf Herz und Nieren geprüft werden. Dabei werden zahlreiche Kuppelversuche mit unterschiedlichen Wagenbeladungen und Geschwindigkeiten in unterschiedlichen Gleisradien durchgeführt. Ulrich Meuser, Projektleiter: „Wir sind damit genau im Zeitplan. Das ordnungsgemäße Funktionieren der Kupplungen können wir nur mit umfangreichen Tests unter Realbedingungen erproben. Es hat sich aber schon jetzt gezeigt, dass die DAK das Zusammenstellen von Güterzügen erheblich beschleunigt und damit mehr Kapazitäten auf der Schiene schafft.“ So trägt die DAK ganz entscheidend zum Gelingen der Verkehrswende bei. Zudem entlastet die DAK Bahnmitarbeiter von körperlicher Arbeit, Schraubenkupplungen per Hand gehören damit der Vergangenheit an.

Im Schienengüterverkehr in Europa werden seit mehr als 100 Jahren fast ausschließlich Schraubenkupplungen verwendet. Sie werden vollständig manuell ge- und entkuppelt. Um die Wagen zu verbinden, wird ein rund 20 kg schwerer Bügel auf den Haken des nächsten Wagens gelegt.

Schraubenkupplungen per Hand
Schraubenkupplungen per Hand

Die Kupplung wird dann durch Drehen an einem Schraubgewinde hinter dem Bügel gespannt. Eine DAK verbindet zwei Güterwagen automatisch miteinander. Sie stellt ohne Handarbeit des Rangierpersonals eine mechanische Verbindung zwischen den Wagen her. Allein DB Cargo kuppelt am Tag in Deutschland etwa 54.000 Wagen und Züge. Der gesamte europäische Schienengüterverkehr kommt sogar auf etwa 400.000 Kupplungsvorgänge am Tag.

Digitale automatische Kupplung stärkt den Einzelwagenverkehr

Für die technische Erprobung sind zwölf Güterwagen mit Kupplungstypen von vier Herstellern ausgerüstet worden. Nach der Durchführung von technischen Tests wird ein DAK-Typ von einem europäischen Gremium ausgewählt. Ein Versuchszug mit 24 Wagen mit dem ausgwählten DAK-Typ fährt dann mehrere Monate durch Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie durch weitere EU-Länder. Die DAK wird dabei unter anderem im täglichen Einsatz in den Rangierbahnhöfen erprobt – deren Kapazität kann um bis zu 40 Prozent steigen. Unterm Strich ist die DAK ein wichtiger Baustein, um die Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr um rund 70 Prozent und mehr zu steigern.

Neues Zeitalter des Schienengüterverkehrs

In Europa gab es mehrere Versuche, eine einheitliche automatische Kupplung einzuführen, zuletzt in den 1990er Jahren. Der Fokus lag nur auf dem reinen mechanischen Kuppeln und der Verbindung der Luftleitung. Dieser Ansatz war nicht wirtschaftlich genug. Im Gegensatz dazu erweitert die DAK durch den Einsatz von Strom- und Datenleitung das betriebliche Einsatzspektrum erheblich. Die DAK führt zur breiten Digitalisierung des Güterverkehrs, weshalb der Nutzen und das wirtschaftliche Potenzial viel größer sind.

Digitale Kupplung
Digitale Automatische Kupplung

Das bis Ende 2022 laufende Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragt und wird vom BMVI mit 13 Millionen Euro finanziert. Daran beteiligt ist ein Konsortium von sechs Unternehmen – neben der DB und ihrer Tochter DB Cargo sind dies die schweizerischen und die österreichischen Güterbahnen SBB Cargo und Rail Cargo Austria sowie die Wagenhalter Ermewa, GATX Rail Europe und VTG. Innerhalb der DB ist das Vorhaben als gemeinsames Systemverbundprojekt von DB AG und DB Cargo im Konzernprogramm Technical Excellence (TecEX) verortet.

Die Chance für die europaweite Einführung der DAK war noch nie so groß wie jetzt. Weil die Einführung bis 2030 weitestgehend abgeschlossen sein soll – der Prozess bis dahin dauert sechs bis acht Jahre  – soll die Einführungsphase spätestens 2023/2024 beginnen. Denn laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ist das eine echte Mammuntaufgabe: in den 27 EU-Ländern sowie in Großbritannien, der Schweiz und Norwegen müssen bis zu 490.000 Güterwagen und 17.000 Triebfahrzeuge umgerüstet werden.