DB Logo
zurück zur Übersicht

30 Jahre BTT – eine Erfolgsstory

DB Cargo BTT blickt in diesen Tagen auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Dabei war der Anlass für die Gründung der GmbH ein sehr trauriger: das Tankwagen-Unglück von Herborn.

Ein Tanklastwagen mit Benzin und Diesel raste 1987 aufgrund defekter Bremsen in die mittelhessische Stadt und stürzte um. 34.000 Liter Kraftstoff flossen auf die Straße und in die Kanalisation. Die anschließende Explosion tötete sechs Menschen und verletzte 38. Zwölf Häuser brannten aus. Zwei Jahre später wurde die Bahn Tank Transport GmbH (BTT) gegründet, um Gefahrguttransporte im Kombinierten Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Ein Gründungsmitglied war Karl-Heinz Rossmann. Für railways erinnert sich der heute 71-Jährige.

Herr Rossmann, wie haben Sie den Unfall erlebt und wie kam es dann zur Gründung der BTT?

Das war natürlich ein großer Schock, der zu der Diskussion geführt hat, wie man so etwas in Zukunft verhindern kann. Es gab damals bei der Deutschen Bundesbahn großströmige Gefahrguttransporte im Kesselwagenbereich. Der Vorstand wollte aber, dass wir untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen ein Geschäftsmodell für den Kombinierten Verkehr machbar ist. Ich wurde Mitglied der vierköpfigen Projektgruppe, weil ich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Zentralen Verkaufsleitung im Chemiebereich tätig war und vorher auch schon Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit einem Chemiekonzern gesammelt hatte. Wir haben ein Konzept entwickelt, zu dem der Vorstand grünes Licht gegeben hat. Mir war es wichtig, das in die Praxis umzusetzen, was wir in der Theorie erarbeitet hatten. Diese Aufgabe hat mich gereizt und deshalb bin ich 1989 zur BTT gewechselt.

Haben Sie denn ein neues Sicherheitskonzept entwickelt oder waren die bestehenden Regelungen ausreichend?

Am Anfang war das ausreichend, was wir hatten. Natürlich gab es immer wieder neue Bestimmungen vom Gesetzgeber, an die wir und alle anderen Marktteilnehmer uns halten mussten und die wir jeweils umgehend integriert haben.

- DB Cargo BTT gegründet 1989 als Bahn Tank Transport GmbH

- Seit 1994 100-prozentige DB-Tochter

- Geschäftsführer: Jens Nöldner (CEO) und Berthold Jesse (CFO)

- Heute 150 Mitarbeiter an vier Standorten

- 13.000 transportierte Ganzzüge und mehr als 260.000 Einzelwagensendungen pro Jahr

Die BTT hatte fünf Gründungsmitglieder: vier private Speditionen und die Bahntochter TFG Transfracht. Wie ist dieser Zusammenschluss entstanden?
Den Zusammenschluss haben wir angestoßen. Wir haben gesagt, wir können die Schiene anbieten, aber wir brauchen auch Partner, die über das notwendige Know-how auf der Straße verfügen. Also den Vor- und Nachlauf mit Lkw im Kombinierten Verkehr. Da war zum einen die Bahntochter TFG Transfracht, die 50 Prozent der neuen GmbH übernommen hat, und die anderen Partner mit jeweils 12,5 Prozent. Die Gründung war gar nicht so einfach, da musste viel verhandelt werden.

Sie sind dann letztendlich zwei Jahre nach dem Unglück gestartet. Wie ist das Geschäft in Gang gekommen?

Es lief zunächst etwas schleppend an. Als Produzent von Gefahrgütern vergibt man nicht einfach so Aufträge an einen Newcomer. Man will sicher sein, dass die Abläufe und Schnittstellen innerhalb der kombinierten Transportkette beherrscht werden. Da mussten wir im Vorfeld sehr viel Aufklärungsarbeit leisten. Anfangs wurden wir mit kleineren Aufträgen auf unsere Leistungsfähigkeit getestet. Wir konnten praktisch jeden Transport mit Handschlag begrüßen. Nach der Testphase haben wir dann den ersten großen Kunden aus Frankfurt gewinnen können. Das war der Durchbruch! Weitere Kunden aus dem Chemiebereich folgten. Es ging stetig aufwärts und bald investierten wir in eigenes Tankcontainerequipment.
Der Markteintritt der BTT war auch Impulsgeber für andere Tank-Spediteure, die verstärkt reine Straßentransporte auf den Kombinierten Verkehr umgestellt haben.
Jetzt zum 30-jährigen Jubiläum freut es mich ganz besonders, dass aus diesem zarten Pflänzchen ein so starkes und führendes Unternehmen geworden ist. Meinen herzlichen Glückwunsch an die heutigen Verantwortlichen und Mitarbeiter!

1990 war das erste volle Geschäftsjahr, aber schon 1994 wurde die BTT komplett von der Bahn übernommen. Was war der Hintergrund dafür?

Wir hatten ja neben der konzerneigenen TFG Transfracht vier private Partner mit unterschiedlichen Interessen im Boot. Wir hatten natürlich erwartet, dass diese Partner auch Verkehre einbringen und Straßentransporte auf die Schiene verlagern. Das ist aus den unterschiedlichsten Gründen aber kaum passiert. Und deshalb hat die Bahn die Anteile dieser Partner zurückgekauft. Wir konnten danach freier agieren und mit leistungsstarken mittelständischen Dienstleistern und Leistungspartnern Transportverträge für den Vor- und Nachlauf abschließen.

Was ist Ihnen von der BTT in guter Erinnerung geblieben?

Gründerzeiten sind immer anstrengend und mit viel Herzblut verbunden: Wenn man ein Unternehmen mit aufbauen kann, wenn man dabei ist, wie es stetig wächst und sich insbesondere auch international weiterentwickelt. Ich war knapp 20 Jahre im Unternehmen. In dieser Zeit gab es viele Highlights: beispielsweise die Umsetzung von Großprojekten mit von der BTT entwickelten Spezialtankcontainern oder die Organisation von Zwischenwerksverkehren zwischen verschiedenen Standorten.  

Erfolgreich ist man immer im Team. Gern denke ich an die vielen guten, engagierten Mitarbeiter, die zur Erfolgsstory BTT beigetragen haben.