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Mehr Qualität in der Produktion: die neuen P&D-Teams

Produktionsvorstand Michael Anslinger (56) erklärt, wie die größte Änderung der Produktionslogik in den letzten 30 Jahren das Netzwerk von DB Cargo noch effektiver macht – und welche Rolle die P&D-Teams dabei spielen.

Herr Anslinger, eines der großen Themen von DB Cargo ist die Produktionsqualität. Warum?
Michael Anslinger _Eine stabile Qualität ist für uns besonders wichtig, um am Markt zu bestehen, Kunden zu gewinnen, Kunden zu begeistern und Wachstum erzeugen zu können. Uns ist es deshalb ganz besonders wichtig, die Leistungsanforderungen unserer Kunden zu kennen, um sie in Betriebsbilder zu übersetzen und diese in der geforderten Qualität zu produzieren.

Eine der Maßnahmen für eine höhere Produktionsqualität ist ein neues Produktionssystem, das die Verantwortlichkeiten für die Züge ändert.
MA _Das Produktionssystem wurde durch das Programm Zukunft Bahn @DB Cargo (ZuBa) grundlegend verändert. Im Kern der Veränderungen haben wir mehrere neue Leitideen, die uns treiben: Auf der einen Seite unterscheiden wir zwischen robusten und volatilen Verkehren. Das machen wir, um die Auswirkungen, die aus der Kurzfristigkeit oder Unregelmäßigkeit der volatilen Verkehre entstehen, auf die robusten Verkehre so gering wie möglich zu halten. Außerdem haben wir unser Produktionssystem in steuerbare Einheiten strukturiert, wir nennen diese Einheiten Betriebsbilder bzw. Produktionsbilder. Dadurch sind wir dann in der Lage, Verantwortlichkeiten auf diesen Betriebs- und Produktionsbildern auch vollumfänglich auszuweisen. Die dritte große Veränderung ist die Einführung der Start- und Ziellogik für unsere Züge. Planung und Disposition finden nicht mehr territorial statt wie in der Vergangenheit. Wir haben jetzt eine End-to-End-Logik aufgebaut, sodass wir vom Start des Zuges bis zum Erreichen der Destination ein verantwortliches Team haben, das sich um die Zugsteuerung kümmert – die Planer & Disponenten-Teams, die sogenannten P&D-Teams.

Durch die P&D-Teams schaffen wir eine Identifikation mit dem Produkt und dem, was für den Kunden im Produktionsprozess geleistet wird.

Die P&D-Teams sind so zu einem wichtigen Baustein im Programm Zukunft Bahn geworden. Können Sie das kurz erläutern?

MA _Die P&D-Teams sind deshalb besonders wichtig, da dort über die zugeordneten Produktionsbilder, das heißt Lokumläufe und Triebfahrzeugführer-(Tf-)Schichten, klare Verantwortlichkeiten je Team geschaffen wurden. Zusätzlich findet in diesen Teams ein kontinuierlicher Austausch zwischen Planung und Durchführung statt, der es uns ermöglicht, Schwierigkeiten, die im Produktionsprozess durch Störungen, Unregelmäßigkeiten oder Planungs-/Dispofehler entstehen, auszuräumen. Nur so können wir Stück für Stück besser werden und das Leistungsversprechen an den Kunden einhalten.

Wie ist denn der aktuelle Stand bei den P&D-Teams?
MA _ Wir haben jetzt alle Teams ausgerollt, sind also seit Anfang 2018 vollständig in der neuen Produktionslogik unterwegs. Früher wurde nach einem Territorialprinzip gearbeitet: Ein Zug passierte unterschiedliche Territorien und wurde dabei im sogenannten Stafettenverfahren an den Grenzen des jeweiligen Produktionszentrums übergeben. So entstanden auf einer Zugfahrt mehrere Schnittstellen in der Planung und Durchführung, an denen die Leistung übergeben werden musste. Diese Schnittstellen fallen mit den P&D-Teams weg, weil der Planungs- und Durchführungsbereich jetzt für die vollständigen Leistungen einer Zugfahrt verantwortlich ist. Das schafft bei den Planern und den Disponenten Verantwortung für einen konkreten Zug, die wir eindeutig in unserem Produktionssystem zuordnen können. Der Betriebsbildsteuerer, der im direkten Kundenkontakt steht, hat jetzt einen eindeutigen Ansprechpartner im P&D-Team. Somit können wir eine Eins-zu-eins-Beziehung für den Kunden aufbauen.

Wie viele Teams gibt es? 
MA _ Wir haben 16 Fernbereichs- Teams; die beschäftigen sich im Wesentlichen mit dem Thema des überregionalen Zugumlaufs. Für die Verteilung der Leistung in den Nahbereichen sorgen weitere 13 Teams. Jedes Team betreut pro Woche zwischen 600 und 900 Züge.

Was ist deren genaue Aufgabe? 
MA _ Die P&D-Teams sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, die notwendigen Ressourcen für die Züge zu planen. In der Durchführung ist das gleiche Team dafür verantwortlich, dass diese Leistung im Produktionsprozess – also die Zugfahrt – möglichst ohne Störungen durchgeführt wird. Im Störfall managen sie auch die Maßnahmen, die nötig sind, um den Zug wieder in die Spur zu bekommen. 

Durch die P&D-Teams und das neue Produktionssystem erhofft sich DB Cargo mehr Identifikation mit dem Produkt. Gibt es bereits erste Ergebnisse?
MA _ Die P&D-Teams werden uns dabei helfen, das ist allerdings noch ein weiter Weg. Heute ist der Produktionsprozess zum Teil noch ein anonymer Prozess – nicht alle Triebfahrzeugführer wissen, für welchen Kunden sie einen Zug fahren. Wenn wir aber immer mehr dazu übergehen, verantwortliche Teams zu bilden, können die Triebfahrzeugführer mit ihren Schichten ganz gezielt einem Produkt zugeordnet werden. Der Triebfahrzeugführer weiß dann, das ist ein Audi- oder thyssenkrupp-Zug, den ich da fahre. Erst dadurch wird es möglich sein, eine Identifikation zu schaffen mit dem Produkt und dem, was für den Kunden im Produktionsprozess geleistet wird. Bei 4.000 Triebfahrzeugführern, die abschnittsweise ganz verschiedene Züge fahren, wird diese Identifikation in den nächsten Jahren sukzessive stattfinden. Auch für die Planer sollte das so funktionieren. Deswegen versuchen wir aus dem bisher anonymisierten Netz kleinere Einheiten so herauszuschälen, dass der Kunde dahinter sichtbar und eine Identifikation möglich wird. Das war mit der bisherigen Logik überhaupt nicht möglich.

Das neue Produktionssystem und die P&D-Teams sollen durch neue Software unterstützt werden. Wie ist da der Stand? 
MA _ Auch in unseren IT-Verfahren war natürlich ganz viel auf der territorialen Logik aufgebaut. In den Planungs- und Durchführungssystemen mussten wir das Produktionsbild zunächst erst einmal sichtbar machen – eine solche steuerbare Einheit war bisher auch nicht nötig. Nach und nach führen wir in unseren IT-Systemen diese Produktionsbildlogik mit ein. Bei IT-Neuentwicklungen ist grundsätzlich das Thema Produktionsbild und Betriebsbild der Maßstab für die zukünftige Steuerung, die wir dort dann abbilden.