Artikel: Lieferketten auf Störungen vorbereiten
Lieferketten brauchen Planungsspielraum
Wie können Unternehmen ihre Lieferketten auch dann verlässlich organisieren, wenn wichtige Verkehrswege zeitweise eingeschränkt sind? Darüber sprach Bernhard Osburg, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn AG und Vorstandsvorsitzender der DB Cargo AG, bei der BVL Supply Chain CX am 21. Oktober. Als Beispiel verwies er auf die betrieblichen Einschränkungen im Raum Hannover im Sommer. Diese hätten nach seiner Einschätzung erhebliche Auswirkungen auf die Transportketten der Stahl- und Chemieindustrie gehabt.
Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, mögliche Einschränkungen frühzeitig in die Transportplanung einzubeziehen. Für die Zeit von Baustellen und Streckensanierungen entwickelt DB Cargo gemeinsam mit den Kunden sehr frühzeitig alternative Konzepte. Einige Kunden passen dafür sogar ihre gesamte Supply-Chain-Strategie für die Zeit des Umbaus an.
Gerade bei systemkritischen Verkehren, etwa für die Stahlindustrie, gehe es nicht allein darum, Abläufe möglichst effizient zu gestalten. Hier gelte vielmehr: „Resilienz statt Effizienz“. Solche Vorkehrungen können zusätzliche Kosten verursachen. Osburg stellte dem jedoch die möglichen Folgen eines Produktionsstillstands gegenüber.
Alternativen müssen vorbereitet sein
Dass sich dieser Planungsansatz nicht auf Baustellen beschränkt, zeigt das Niedrigwasser am Rhein. Osburg geht davon aus, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten könnten. Für Unternehmen entlang des Rheins stellt sich damit die Frage, wie sie ihre Transporte absichern können, wenn die Binnenschifffahrt eingeschränkt ist.
Eine stärkere Verlagerung auf die Schiene kann eine Möglichkeit sein. Zusätzliche Bahnkapazitäten lassen sich allerdings nicht kurzfristig auf Zuruf bereitstellen. Osburg plädiert deshalb für vorbereitete Konzepte, bei denen im Vorfeld geklärt ist, welche Alternativen im Bedarfsfall zur Verfügung stehen und wie die dafür notwendigen Kapazitäten finanziert werden.
Die Beispiele zeigen: Resilienz entsteht nicht erst dann, wenn eine Störung eintritt. Alternativen müssen vorher geplant und mit den beteiligten Partnern abgestimmt werden.
Industrielle Versorgung braucht passende Systeme
Neben der Planung einzelner Verkehre spielt auch der Einzelwagenverkehr eine wichtige Rolle für die Versorgung industrieller Standorte. Osburg bezeichnet ihn als „industrielle Sortierfunktion“ und betont seine Bedeutung für Deutschland als Flächenindustrieland.
DB Cargo will das System zum Fahrplanwechsel auf ein stärker vertaktetes Hub-System umstellen. Zugleich machte Osburg deutlich, dass der Einzelwagenverkehr aufgrund seines hohen Anteils manueller Arbeit weiterhin auf Förderung angewiesen ist.
Hinzu kommen veränderte Güterstrukturen: So verschieben beispielsweise rückläufige Kohle- und Erzverkehre die Anforderungen an DB Cargo. DB Cargo will sein Angebot stärker auf veränderte Transportbedarfe ausrichten. Osburg sieht Potenzial in europäischen und multimodalen Lösungen, die den Kunden die Organisation ihrer Lieferketten erleichtern und Komplexität aus der Supply Chain nehmen.
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