Artikel: Das ABC des Güterverkehrs: Lademaß – passt die Sendung auf die Strecke?
Wenn der Wagen allein noch nicht reicht
Eine große Maschine, ein langer Stahlträger oder eine ungewöhnlich breite Komponente: Für den Verlader scheint die entscheidende Frage zunächst einfach. Passt die Sendung auf den vorgesehenen Wagen? Für den Bahntransport reicht diese Antwort allerdings nicht aus. Denn der Wagen muss mit seiner Ladung auch durch Tunnel fahren, unter Oberleitungen hindurchpassen und an Signalen, Bahnsteigen oder anderen Anlagen ausreichend Abstand halten.
Genau hier kommt das Lademaß ins Spiel. Es beschreibt die Begrenzungslinie, die ein beladener Güterwagen einschließlich seiner Ladung grundsätzlich nicht überragen darf. Für den Transport muss das zulässige Lademaß auf dem gesamten Beförderungsweg eingehalten werden.
Lademaß kurz erklärt
Das Lademaß definiert den zulässigen Raum, den ein beladener Güterwagen einschließlich seiner Ladung auf der Strecke beanspruchen darf.
Rund 100 Tonnen schwere Pressenkomponente auf einem Tiefladewagen. Obwohl die Sendung innerhalb des Lademaßes blieb, wurde sie aufgrund ihres Gewichts als außergewöhnliche Sendung befördert.
Die Strecke fährt mit
Auch der Streckenverlauf spielt eine wichtige Rolle. In Gleisbögen können sich die seitlichen Abstände zwischen Wagen, Ladung und Infrastruktur verändern. Eine Sendung, die auf gerader Strecke problemlos transportiert werden kann, kann im Gleisbogen näher an Tunnel, Signale oder andere Anlagen heranrücken. Deshalb wird bei großen oder ungewöhnlich geformten Sendungen geprüft, ob entlang des gesamten Beförderungswegs ausreichend Abstand vorhanden ist.
Wann wird das Lademaß relevant?
Bei einem Standardtransport stellt sich die Frage meist gar nicht. Anders sieht es bei großen oder ungewöhnlich geformten Sendungen aus. Dazu gehören beispielsweise Maschinen, Stahlprodukte, Großkomponenten oder bestimmte Fahrzeuge.
| Worauf kommt es an? | |
| Maschinen und Industrieanlagen | Höhe, Breite, Transportstellung und Überstände |
| Stahlträger und Profile | Länge, Breite und mögliche Überstände |
| Großkomponenten und Anlagenteile | Abmessungen und Fahrbarkeit des Beförderungswegs |
| Fahrzeuge | Abmessungen des beladenen Wagens und kritische Punkte auf der Strecke |
Je früher die Maße bekannt sind, desto eher lässt sich klären, welcher Wagen und welcher Beförderungsweg infrage kommen. Bei komplexen Sendungen können technische Zeichnungen und weitere Angaben erforderlich sein. Auf Basis dieser Angaben unterstützt DB Cargo mit Verladeberatungen und Verladeberechnungen. Insbesondere bei großen, schweren oder ungewöhnlich geformten Sendungen lässt sich so frühzeitig prüfen, ob eine Beförderung auf dem vorgesehenen Beförderungsweg möglich ist.
Verladeberatungen und Verladeberechnungen unterstützen dabei, komplexe Sendungen frühzeitig auf ihre Fahrbarkeit zu prüfen.
Welche Angaben für die Prüfung wichtig sind
Für eine belastbare Prüfung müssen die tatsächlichen Außenmaße der Sendung möglichst genau bekannt sein. Dabei kommt es nicht nur auf die Größe der Sendung an, sondern auch darauf, in welcher Stellung sie transportiert wird und ob Teile über den Wagen hinausragen.
Wichtige Angaben sind unter anderem:
- Länge, Breite und Höhe: Sie zeigen, welchen Raum die Sendung auf dem Wagen einnimmt.
- Transportstellung: Sie kann die tatsächlichen Abmessungen verändern, zum Beispiel wenn ein Bauteil liegend, stehend oder gedreht transportiert wird.
- Überstände: Sie sind wichtig, wenn Teile der Ladung über den Wagen oder bestimmte Fahrzeugbereiche hinausragen.
- Start und Ziel: Sie bilden die Grundlage für die Prüfung des gesamten Beförderungswegs.
- Technische Zeichnungen: Sie helfen besonders bei komplexen, großen oder ungewöhnlich geformten Sendungen, die Abmessungen und kritischen Punkte zuverlässig zu bewerten.
Das Lademaß betrachtet ausschließlich die äußeren Abmessungen des beladenen Wagens einschließlich seiner Ladung. Gewicht und Schwerpunkt können für Wagenwahl, Lastverteilung und Ladungssicherung wichtig sein, gehören aber nicht zur Definition des Lademaßes.
Was passiert bei einer Lademaßüberschreitung?
Eine Lademaßüberschreitung bedeutet nicht automatisch, dass ein Transport auf der Schiene ausgeschlossen ist. Solche Sendungen gehören zu den außergewöhnlichen Sendungen (aS). Ihre Fahrbarkeit muss gesondert geprüft werden; dafür sind besondere Genehmigungen erforderlich.
Bei DB Cargo wird eine solche Genehmigung als Bza, kurz für „Betrieb Zugförderung außergewöhnlich“, bezeichnet. Sie kann beispielsweise eine bestimmte Strecke vorgeben, an Bahnhöfen nur bestimmte Gleise zulassen oder einzelne Streckenabschnitte beziehungsweise Brücken ausschließen. Die Bedingungen werden für eine konkrete Fahrt mit Datum und Zugnummer festgelegt.
Bza = Betrieb Zugförderung außergewöhnlich
Die Bza legt die Bedingungen fest, unter denen eine außergewöhnliche Sendung transportiert werden kann.
International zählt die gesamte Strecke
Bei einem grenzüberschreitenden Transport endet die Lademaßprüfung nicht an der Landesgrenze. Das Lademaß der deutschen Eisenbahnen entspricht unter anderem dem der Bahnen in Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn. In Frankreich, Italien oder der Schweiz sind die Lademaße dagegen kleiner. Das kann für die Transportplanung eine wichtige Rolle spielen: Eine Sendung, die in Deutschland innerhalb des zulässigen Lademaßes liegt, kann auf einem ausländischen Streckenabschnitt zusätzliche Einschränkungen auslösen. Für internationale Transporte gilt immer das Lademaß mit den strengsten Anforderungen auf dem gesamten Beförderungsweg.
Lademaß und Ladungssicherung: zwei verschiedene Fragen
Lademaß und Ladungssicherung hängen bei der Transportplanung zusammen, beantworten aber unterschiedliche Fragen:
- Lademaß: Passt der beladene Wagen auf die vorgesehene Strecke?
- Ladungssicherung: Ist die Ladung so verladen und gesichert, dass sie während der Beförderung sicher bleibt?
Für die Ladungssicherung gelten unter anderem die UIC-Verladerichtlinien. Sie enthalten international abgestimmte Vorgaben für die sichere Verladung und Sicherung von Gütern. Band 1 beschreibt die Grundsätze, Band 2 konkretisiert die Anforderungen für bestimmte Güter und Ladearten.
Fazit
Das Lademaß verbindet Ladung, Wagen und Infrastruktur. Gerade bei großen oder ungewöhnlich geformten Sendungen sollte deshalb früh geprüft werden, ob das zulässige Lademaß auf dem gesamten Beförderungsweg eingehalten werden kann. Im Bogenlauf kommen zusätzliche Einschränkungen der Ladungsbreite hinzu. Wird das Lademaß überschritten, kann eine Beförderung unter bestimmten Bedingungen dennoch als außergewöhnliche Sendung durchgeführt werden. Ob eine Sendung auf den Wagen passt, ist nur ein Teil der Transportplanung. Ebenso wichtig ist, dass Wagen, Ladung und Beförderungsweg zusammenpassen.
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