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Schienengüterverkehr ohne Gleisanschluss: Wie Unternehmen Zugang zur Schiene finden

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27. August 2026, 12:30 Uhr

Artikel: Schienengüterverkehr ohne Gleisanschluss: Wie Unternehmen Zugang zur Schiene finden

Terminals und Railports verbinden Straße und Schiene und machen Schienengüterverkehr auch ohne eigenes Werkgleis nutzbar.  

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass Schienengüterverkehr nur mit einem eigenen Gleisanschluss möglich ist. Tatsächlich können auch Standorte ohne Werkgleis die Schiene nutzen. Terminals, Railports und kombinierte Transportketten schaffen die Voraussetzungen dafür, bestehende Lieferketten an das Schienennetz anzubinden.

Entscheidend ist daher nicht allein die Frage, ob ein Gleis direkt am Werkstor liegt. Vielmehr kommt es darauf an, wie sich die bestehende Lieferkette sinnvoll mit der Schiene verbinden lässt. Dafür braucht es eine passende Schnittstelle, an der Waren oder Ladeeinheiten von der Straße auf die Schiene wechseln können. Je nach Transportgut, Standort und Relation kann der Einstieg bereits mit einem Wagen, Container oder einer anderen geeigneten Ladeeinheit erfolgen.

Railports und Terminals ermöglichen Unternehmen ohne eigenen Gleisanschluss den Zugang zum Schienennetz. So lassen sich die Vorteile beider Verkehrsträger kombinieren: die flexible Abholung und Zustellung per Lkw sowie der effiziente Transport größerer Mengen auf der Schiene.

Die Grundidee: Straße und Schiene sinnvoll kombinieren

Im kombinierten Verkehr werden die Stärken beider Verkehrsträger verbunden. Der Lkw übernimmt die flexible erste und letzte Meile, die Schiene den längeren Hauptlauf. Dadurch können auch Unternehmen ohne eigenes Werkgleis Schienengüterverkehr nutzen.

Der typische Ablauf sieht so aus:
  1. Die Ware oder Ladeeinheit wird per Lkw vom Unternehmensstandort zur nächstgelegenen geeigneten Schnittstelle gebracht.
  2. Dort erfolgt der Umschlag auf den Zug.
  3. Der Güterzug übernimmt den Hauptlauf über die längere Strecke.
  4. Am Zielpunkt wird die Ladeeinheit wieder auf den Lkw umgeschlagen.
  5. Der Lkw übernimmt die Zustellung zum Empfänger.

Diese Grundlogik muss in der weiteren Betrachtung nicht mehrfach wiederholt werden. Wichtig ist: Die Transportkette funktioniert dann, wenn Vorlauf, Umschlag, Hauptlauf und Nachlauf zuverlässig aufeinander abgestimmt sind.

Wie funktioniert ein Terminal?

Quelle: DB Cargo AG / Oliver Lang

Das Terminal München zeigt, wie Terminals und Railports als Schnittstellen zwischen Straße und Bahn den Zugang zur Schiene ermöglichen.

Ein Terminal ist ein Umschlagpunkt, an dem Ladeeinheiten zwischen Straße und Schiene wechseln. Typische Ladeeinheiten sind Container, Wechselbrücken oder kranbare Sattelauflieger.

Der Ablauf im Terminal ist standardisiert. Der Lkw bringt die Ladeeinheit zum Terminal. Dort wird sie angenommen, registriert und für den Umschlag vorbereitet. Anschließend wird sie mit geeigneter Umschlagtechnik, zum Beispiel einem Kran oder Reachstacker, auf einen Güterwagen verladen.

Am Zielterminal läuft der Prozess in umgekehrter Reihenfolge ab. Die Ladeeinheit wird vom Zug genommen, zwischengelagert oder direkt zur Abholung bereitgestellt. Danach übernimmt der Lkw den Weitertransport zum Empfänger.

Damit ist ein Terminal mehr als nur ein Ort des Umladens. Es koordiniert Zeitfenster, stellt Ladeeinheiten bereit, bündelt Verkehre und sorgt dafür, dass Straße und Schiene operativ zusammenpassen.

Welche Rolle spielen Railports?

Quelle: Deutsche Bahn AG / David Hartfiel

Der Railport Nürnberg steht beispielhaft dafür, wie Unternehmen auch ohne eigenen Gleisanschluss über die Verbindung von Straße und Schiene Zugang zum Schienengüterverkehr erhalten.

Railports sind ebenfalls Zugangspunkte zur Schiene, gehen aber häufig über den reinen Umschlag hinaus. Sie richten sich besonders an Unternehmen, die keinen eigenen Gleisanschluss haben und zusätzliche logistische Leistungen benötigen.

Neben dem Wechsel zwischen Straße und Schiene können Railports je nach Standort weitere Services anbieten, etwa Zwischenlagerung, Depotleistungen, Be- und Entladung oder Zollabwicklung. Dadurch entstehen regionale Logistikdrehscheiben, über die Waren gebündelt und für den Schienentransport vorbereitet werden können.

Während Terminals vor allem den standardisierten Umschlag von Ladeeinheiten organisieren, bieten Railports oft einen breiteren logistischen Zugang zur Schiene.

Terminal oder Railport: Was ist der Unterschied?
AspektTerminalRailport
HauptfunktionUmschlag von Ladeeinheiten zwischen Lkw und ZugZugang zur Schiene mit zusätzlichen Logistikleistungen
Typische NutzungKombinierter Verkehr mit Containern, Wechselbrücken oder SattelaufliegernBündelung und Organisation von Transporten für Unternehmen ohne Gleisanschluss
Operativer SchwerpunktAnnahme, Registrierung, Umschlag, Zwischenabstellung und BereitstellungUmschlag plus Services wie Lagerung, Depotleistungen, Be- und Entladung oder Zollabwicklung
Rolle in der TransportketteVerbindet Straße und Schiene an einem definierten UmschlagpunktErleichtert Unternehmen den praktischen Zugang zum Schienennetz

Beide Lösungen erfüllen damit eine ähnliche Grundfunktion: Sie schaffen den Zugang zur Schiene. Der Unterschied liegt vor allem im Leistungsumfang. Terminals konzentrieren sich auf den Umschlag, Railports können zusätzliche logistische Aufgaben übernehmen.

Warum kann sich der Schienenzugang lohnen?

Schienengüterverkehr bietet insbesondere bei längeren Strecken und planbaren Transporten wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Durch die Bündelung großer Gütermengen können Güterzüge Straßen entlasten und im Vergleich zum reinen Lkw-Transport den CO₂e-Ausstoß um rund 80 Prozent reduzieren. Ein einzelner Güterzug kann dabei bis zu 52 Lkw ersetzen.

Damit diese Vorteile wirksam werden, muss die gesamte Transportkette passen. Dazu gehören geeignete Mengen, zuverlässige Zeitfenster, passende Ladeeinheiten und eine erreichbare Schnittstelle zur Schiene.

Fazit

Ein fehlender Gleisanschluss bedeutet nicht, dass Schienengüterverkehr ausgeschlossen ist. Unternehmen können über Terminals, Railports und kombinierte Transportketten Zugang zum Schienennetz erhalten.

Terminals ermöglichen den standardisierten Umschlag zwischen Straße und Schiene. Railports bieten darüber hinaus häufig zusätzliche logistische Leistungen und erleichtern so den Einstieg in den Schienengüterverkehr. Entscheidend ist, welche Lösung die Anforderungen des Unternehmens am besten unterstützt und sich sinnvoll in bestehende Lieferketten integrieren lässt.So wird die Schiene auch für Unternehmen nutzbar, deren Standorte nicht direkt am Gleis liegen. 

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