Artikel: CO₂-Logistik: DB Cargo ist bereit
Viele Industrieunternehmen stehen vor derselben Herausforderung: Sie wollen klimaneutraler produzieren, können bestimmte CO₂-Emissionen aber nicht vollständig vermeiden. Denn gerade in sogenannten Hard-to-abate-Industrien wie der Zement- oder Kalkindustrie entsteht CO₂ nicht nur beim Energieverbrauch, sondern auch direkt im Produktionsprozess. Wenn dieses CO₂ direkt dort aufgefangen wird, wo es entsteht, spricht man von Carbon Capture, auf Deutsch: CO₂-Abscheidung. Doch mit der Abscheidung ist die Aufgabe nicht gelöst – sie verlagert sich auf die nächste entscheidende Frage: den Transport.
Genau hier entscheidet sich, ob Carbon Management im industriellen Maßstab funktionieren kann: Es braucht nicht nur Anlagen zur Abscheidung, sondern leistungsfähige Transportketten. Erst wenn das abgeschiedene CO₂ seinen Weg zur Nutzung oder dauerhaften Speicherung findet, kann Carbon Management seine Wirkung entfalten.
DB Cargo bringt dafür das europäische Netzwerk, die Logistikkompetenz und die Erfahrung mit, um leistungsfähige CO₂-Transportketten aufzubauen und mit dem Markt zu skalieren. Bereits Anfang der 2030er Jahre könnten in Deutschland rund fünf Millionen Tonnen abgeschiedenes CO₂ pro Jahr transportiert werden. In einem multimodalen Szenario kann die Schiene einen Großteil davon übernehmen. Mit weiter steigenden Mengen wächst CO₂-Logistik zu einer neuen europäischen Wertschöpfungskette – und die Schiene übernimmt darin von Beginn an eine zentrale Rolle.
Kurz erklärt: Was hinter Carbon Management steckt
CO₂CO₂ (Kohlenstoffdioxid) ist ein Treibhausgas, das unter anderem bei der Energieerzeugung und in industriellen Produktionsprozessen entsteht – etwa bei der Herstellung von Zement oder Kalk.
Carbon CaptureCarbon Capture bedeutet, CO₂ direkt dort aufzufangen, wo es entsteht, bevor es in die Atmosphäre gelangt.
Carbon ManagementCarbon Management beschreibt die gesamte Kette: CO₂ abscheiden, transportieren und anschließend nutzen oder dauerhaft speichern.
CCS – Carbon Capture and Storage: Das CO₂ wird abgeschieden und anschließend geologisch dauerhaft gespeichert.
CCU – Carbon Capture and Utilisation: Das abgeschiedene CO₂ wird als Rohstoff weiterverwendet.
CCUS – Carbon Capture, Utilisation and Storage: Der Begriff fasst beide Wege zusammen: die Nutzung und die dauerhafte Speicherung von abgeschiedenem CO₂.
Die Schiene gibt dem Hochlauf Tempo
Schienenbasierte CO₂-Logistik ist bereits heute möglich. Das bestehende Netz verbindet Industriestandorte mit Knotenpunkten, Häfen und europäischen Korridoren. Transporte können starten, sobald Abscheidungsanlagen, CO₂-fähige Güterwagen und die erforderliche Anschlussinfrastruktur an Quelle und Senke verfügbar sind. Damit bietet die Schiene der Industrie von Beginn an eine leistungsfähige Lösung für den Aufbau neuer CO₂-Wertschöpfungsketten.
Ihre Stärke liegt in der flexiblen Skalierung: Transportkapazitäten lassen sich schrittweise aufbauen, Mengen bedarfsgerecht erweitern und auch einzelne Standorte zuverlässig anbinden. Das ist besonders für die dezentrale Industriestruktur in Deutschland entscheidend. Rund 25 Prozent der potenziellen CO₂-Mengen entfallen auf Standorte, die mehr als 40 Kilometer vom geplanten CO₂-Kernnetz entfernt liegen. Für viele Industriestandorte bleibt die Schiene deshalb auch langfristig die zentrale Verbindung zu Hubs, Häfen und Speicherstätten.
Im künftigen CO₂-Transportsystem übernimmt die Schiene eine klare Rolle: Sie erschließt Standorte, bündelt Mengen und verbindet Quellen mit Terminals, Schiffen und Pipelines. So entsteht ein leistungsfähiges multimodales Netzwerk, in dem jeder Verkehrsträger seine Stärken ausspielt. Die Schiene ist dabei nicht nur eine Brücke bis zum Aufbau von Pipelines, sondern ein dauerhafter Bestandteil der europäischen CO₂-Infrastruktur.
Bereit für den Hochlauf: Speziell isolierte Kesselwagen ermöglichen den zuverlässigen Transport großer CO₂-Mengen auf der Schiene.
Kurz erklärt: So wird CO₂ auf der Schiene transportiert
Für den Transport wird abgeschiedenes CO₂ verflüssigt und bei rund –30 Grad Celsius sowie 12 bis 15 bar (medium pressure "MP") in speziell isolierte Kesselwagen gefüllt. Ein Wagen kann etwa 60 Tonnen CO₂ aufnehmen. Güterzüge transportieren die Mengen von den Industriestandorten zu Hubs, Häfen, Speicherstätten oder Übergabepunkten an Pipelines. Dort wird das CO₂ je nach weiterer Transportkette zwischengelagert, umgeschlagen oder für den Weitertransport per Schiff beziehungsweise Pipeline aufbereitet. So verbindet die Schiene die Abscheidung direkt mit der Nutzung oder dauerhaften Speicherung.
DB Cargo bringt CO₂-Logistik auf die Schiene
DB Cargo verfügt über die Erfahrung, das Netzwerk und die Logistikkompetenz für den Aufbau sicherer CO₂-Transportketten. Das Unternehmen entwickelt passende Transportkonzepte und steuert die Verbindungen über Ländergrenzen und verschiedene Verkehrsträger hinweg. Dabei greift DB Cargo auf langjährige Kompetenzen im Gefahrgut- und Massenguttransport sowie auf etablierte multimodale Prozesse zurück.Drei Jahre nach der finalen Investitionsentscheidung der ersten deutschen CCS-Projekte kann DB Cargo Transportkapazitäten von rund vier Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr aufbauen – verlässlich, sorgfältig und europaweit. Mit wachsender Nachfrage lassen sich diese Kapazitäten bedarfsgerecht erweitern. Damit bietet DB Cargo der Industrie eine skalierbare Logistiklösung für den Hochlauf von Carbon Management.
„Carbon Management wird nur dann zum Erfolg, wenn die Logistik von Anfang an mitgedacht wird. Jetzt kommt es darauf an, gemeinsam mit Industrie und Politik die Voraussetzungen für verlässliche CO₂-Transportketten zu schaffen. Wir wollen diesen neuen Markt aktiv mitgestalten.“
Die CO₂-Logistik ist europäisch: DB Cargo entwickelt Verbindungen zu Speicher- und Exportwegen in den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. Entscheidend ist, dass Gleisanschlüsse, Wagenflotten und Umschlagkapazitäten parallel zu den Abscheidungsprojekten entstehen.
Die Schiene ist bereit. DB Cargo auch.
Jetzt müssen aus Marktpotenzialen belastbare Transportketten werden. Dafür braucht es klare Genehmigungs- und Haftungsregeln, den gezielten Ausbau der Infrastruktur sowie verlässliche Finanzierungs- und Investitionsbedingungen. Abscheidung, Transport, Nutzung und Speicherung müssen von Anfang an gemeinsam geplant werden. DB Cargo steht bereit, diesen Hochlauf aktiv mitzugestalten.