DB Cargo fragt: DVZ-Redakteur Heinrich Klotz

Heinrich Klotz schreibt seit 1989 über das Thema Kombinierter Verkehr Schiene/Straße.

Welche Bedeutung hat der Kombinierte Verkehr heute für Industrieunternehmen?
Das hängt vom Standort der Unternehmen ab. Versenden oder erhalten sie viele Güter beispielsweise durch die Schweiz, ist der KV für sie existenziell wichtig, weil sieben von zehn Tonnen dort auf der Schiene reisen. Anderswo allerdings ist die Industrie nur allzu bereit, für den berühmten Euro Ersparnis zum Lkw zu wechseln. Dabei ist der KV strategisch schon heute für alle Industrieunternehmen äußerst wichtig: Wer ihn heute in seine Logistik integriert, ist gewappnet für den grüneren Fußabdruck, den Verbraucher in Zukunft immer stärker für Produkte fordern werden. Gleichzeitig sichert er sich die nötige Transportkapazität auf der Schiene – bevor es andere tun.


Heinrich Klotz arbeitet seit 1988 für die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ).
Heinrich Klotz arbeitet seit 1988 für die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ).


Welche Rolle spielt der Kombinierte Verkehr für die weitere Entwicklung des Schienengüterverkehrs?
Die Bedeutung kann man gar nicht hoch genug hängen! Kombinierter Verkehr ist oft eine gute Alternative zum defizitären Einzelwagenverkehr. Er ist das richtige Instrument, um trotz Güterstruktureffekts – Massenguttransporte nehmen tendenziell ab, Stückgut zu – den Umsatz im Schienengüterverkehr zu steigern. Und er integriert den Güterverkehr auf der Schiene in komplexe Supply-Chains, in denen die Bahn beweisen muss, wie gut sie Logistik kann. Damit ist Kombinierter Verkehr das Segment, das dem Schienengüterverkehr die Zukunft sichert.

Was braucht es Ihrer Ansicht nach, damit der Kombinierte Verkehr gegenüber der Straße „alternativlos“ wird?
Kombinierter Verkehr wird immer eine Alternative bleiben, für die sich Kunden entscheiden, wenn Angebot, Preis und Leistung stimmen. Da hat auch mal der Lkw die Nase vorn – er muss es sogar oft, weil Kombinierter Verkehr nur einen Bruchteil des Volumens aufnehmen könnte, das auf der Straße tagtäglich bewegt wird. Ich wäre schon zufrieden, wenn er als ernst genommene Alternative selbstverständlich auf den Tischen aller Logistikentscheider läge. Dafür braucht es allerdings auch einen verkehrspolitischen Rahmen, der fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern ermöglicht. Das gelingt derzeit leider nicht immer.

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