Digitale Automatische Kupplung: Zug startet Testreise durch Europa

Neuartige Technologie revolutioniert den Schienengüterverkehr.

Effizienter, einfacher und günstiger: Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) soll den Schienengüterverkehr in Europa revolutionieren. Nun ist ihre Einführung ein Stück näher gerückt. Bestehend aus 24 Güterwagen, ist der erste mit dem modernen Kupplungssystem ausgestattete Zug zu einer mehrmonatigen Testreise quer durch Europa gestartet. 

Die Bedeutung dieses Meilensteins unterstrich unter anderem der Besuch von Bundesminister für Digitales und Verkehr, Dr. Volker Wissing, der das symbolische Abfahrtssignal am Berliner Westhafen erteilte. „Das wachsende Transportaufkommen in Einklang mit unseren Klimaschutzzielen zu bringen, ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, so der Bundesminister. „Die Schiene ist hierfür der Schlüssel – auch wenn wir gerade im Güterverkehr einiges aufholen müssen. Getreu unserem Motto ‚Mehr Fortschritt wagen‘ werden wir mit der EU-weiten Einführung eines einheitlichen automatischen Kupplungssystems einen über 70 Jahre währenden Missstand lösen und über eine halbe Million Güterwagen ins 21. Jahrhundert katapultieren.“

DAK soll die Schiene wettbewerbsfähiger machen

Die Entwicklung der DAK – seit Juli 2021 durch ein Pilotprojekt des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert – ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung von Güterzügen. Zugleich ist sie ein entscheidender Hebel, um die Schiene gegenüber der Straße wettbewerbsfähiger zu machen. Das neuartige System ermöglicht es, Güterwagen automatisch, also ohne Schraubenkupplungen per Hand, zu kuppeln. Auch die Wagenverbindungen für die Bremsen werden automatisch hergestellt. Außerdem werden Güterwagen hier erstmals mit durchgehenden Strom- und Datenleitungen ausgerüstet sein. 

Von links nach rechts: Bundesminister Dr. Volker Wissing, Dr. Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik, und Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr.


„Diese Kupplung ist eine Revolution, ihr gehört die Zukunft“, sagte Dr. Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik. „Die DAK macht Güterwagen schlau und schnell: beim Kuppeln, aber auch beim Fahren. Mit dieser Technologie können nicht nur mehr Güterwagen auf der Schiene fahren, sie ermöglicht auch eine Verdichtung des Schienenverkehrs, die allen zugutekommt.“

Die Technologie erleichtere auch die „bislang harte“ Arbeit auf den Güterbahnhöfen, wie Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr, betonte: „Rund 70.000-mal am Tag müssen unsere Mitarbeitenden im Rangierbetrieb die bis zu 30 Kilogramm schweren Kupplungsbügel auf Schulterhöhe wuchten, um Züge zu kuppeln. Die neue Kupplung ändert den Güterverkehr auf Schienen grundlegend und bringt uns das Tempo, das wir brauchen, um das Klima zu retten.“ 

18 Monate, sechs Unternehmen, ein Ziel 

An dem „Pilotprojekt zur Demonstration, Erprobung und Zulassung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) für den Schienengüterverkehr“ ist ein Konsortium beteiligt, bestehend aus der Deutschen Bahn und DB Cargo sowie fünf weiteren Unternehmen: die schweizerischen und die österreichischen Güterbahnen SBB Cargo und Rail Cargo Austria sowie die Wagenhalter Ermewa, GATX Rail Europe und VTG.

Der Start des Demonstratorzugs in Berlin markiert den Start der zweiten Projektphase. In der ersten im Juli 2021 begonnenen Phase hatten DB Cargo und GATX zwölf Güter- und Kesselwagen mit Kupplungs-Prototypen von vier verschiedenen Herstellern ausgerüstet. Technische Tests führten schließlich zur Auswahl des Kupplungstyps, der in der nun gestarteten Praxisphase im Einsatz ist. Das 18-monatige Projekt läuft noch bis Ende 2022.