Emissionsarmer Transport zwischen China und Europa

Der Schienengüterverkehr spielt dabei eine wichtige Rolle.

China will klimafreundlicher werden. Dabei spielt der CO2-freie Transport von Gütern in die EU eine große Rolle. Bereits seit mehr als zehn Jahren fährt DB Cargo Eurasia Containerzüge voll mit Kleidung, Lebensmitteln und Maschinen zwischen Europa und China.

Ende September 2020 ließ der chinesische Präsident Xi Jinping eine historische Ankündigung verlauten: China wolle noch vor 2060 klimaneutral werden. Dabei ist das Land aktuell noch der größte Treibhausgasproduzent der Welt. Anstatt mit dem Finger auf die westlichen Industrienationen zu zeigen, will der Wirtschaftsgigant nun selbst aktiv werden. Vor allem der transeurasische Korridor, eines der interessantesten Globalisierungsprojekte der Welt, rückt dafür in den Vordergrund. Um zu verhindern, dass chinesische Exporte – wie von der EU bereits dis-kutiert – mit CO2-Zöllen belegt werden, will China Verkehre verlagern.

„China baut die Schiene massiv aus, auch um die Klimafolgen des Straßenverkehrs einzudämmen“, sagt Dr. Carsten Hinne, Senior Vice President Korridorentwicklung/Eurasischer Korridor und CEO der DB Cargo Eurasia GmbH. Denn aktuell ist kein Transportmittel über lange Strecken so CO2-sparend: Güterzüge verursachen etwa 95 Prozent weniger CO2-Emissionen als der Luftfrachtverkehr, weniger als ein Drittel der Emissionen des Straßengüterverkehrs, und auch den Vergleich mit der Seefracht braucht die Schiene nicht zu scheuen. Für die Organisation zukunftsfähiger interkontinentaler Logistikketten führt am Schienengüterverkehr also kein Weg vorbei.

Wachstum trotz Corona-Krise
Die Verlagerung von Güterverkehren aus und nach Asien auf die Schiene ist schon eine mehr als zehnjährige Praxis. Seit 2008 fährt DB Cargo Eurasia Container von und nach China. Nach Angaben von China Rail fuhren 2019 insgesamt 4.329 Containerzüge zwischen der EU und China – das sind fünf Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Und auch 2020 scheint die Corona-Krise das Wachstum bisher nicht gestoppt zu haben, im Gegenteil: Von Januar bis April 2020 verkehrten etwa elf Prozent mehr Züge als im vergleichbaren Zeitraum 2019.

Auch die Transitzeiten aus China nach Europa haben sich über die letzten Jahre stetig verkürzt – aktuell liegen die Terminal-Terminal-Fristen bei zwölf bis 14 Tagen. Zusätzlich kommen permanent neue Routen hinzu: Seit April 2020 gibt es eine wöchentliche Verbindung aus Xi’an über Kaliningrad (Schiene) nach Rostock (Containerschiff) und weiter nach Duisburg, Hamburg beziehungsweise Verona (Schiene) in elf bis 13 Tagen. Damit hat sich der Schienengüterverkehr zwischen Asien und Europa vor allem auch in der Zeit der verstärkten Lieferung von Pandemieschutzartikeln nach Europa zu einer absolut zuverlässigen Alternative zur Luftfracht entwickelt – schnell, ökologisch und bis zu zehnmal günstiger bei den Transportkosten.


Bereits seit mehr als zehn Jahren fährt DB Cargo Eurasia Containerzüge voll mit Kleidung, Lebensmitteln und Maschinen zwischen Europa und China. Quelle: DB Cargo AG

„China baut die Schiene massiv aus, auch um die Klimafolgen des Straßenverkehrs einzudämmen.“

Dr. Carsten Hinne, Senior Vice President Korridorentwicklung/Eurasischer Korridor und CEO der DB Cargo Eurasia GmbH

Mehrere wöchentliche Verbindungen zwischen China und Europa
DB Cargo will seine Transportkapazität weiter erhöhen. Denn trotz des stetigen Wachstums finden aktuell nur zwei Prozent des gesamten Güterverkehrs von und nach China auf der Schiene statt. „DB hat 2019 etwa 130.000 Standardcontainer (TEU) auf dem Eurasischen Korridor befördert. 2020 haben wir die 200.000-TEU-Marke geknackt. Für 2025 avisieren wir als Ziel die 500.000-TEU-Marke“, so Hinne. Aus einem Güterzug im Jahr 2008 sind mittlerweile mehrere wöchentliche Verbindungen zwischen verschiedenen Industriezentren in China und Europa geworden.

Ein Blick in die Zu(g)kunft: Bäume pflanzen, Papier sparen
Um den Schienenverkehr auf dem Eurasischen Korridor weiter auszubauen und ihn noch nachhaltiger zu gestalten, setzt DB Cargo Eurasia auf Partner. Eine Vereinbarung zwischen dem Betreiber der Logistikplattform ITL mit DB Cargo Eurasia aus dem Frühjahr 2019 ergab, dass für jeden Containerzug, den beide Partner von Xi’an nach Europa auf den Weg bringen, ein Baum gepflanzt wird. Aus der spontanen Idee – Nachhaltigkeit zu dokumentieren – entsteht so ein ganzer Wald.


Der 10.000. Frachtzug mit Ziel Europa verließ die chinesische Metropole Chongqing am 28. März 2020. Quelle: DB Cargo AG

Gemeinsam mit DB Systel und der Deutschen Bahn International Affairs arbeitet DB Cargo Eurasia außerdem daran, noch schnellere Transporte zwischen Asien und Europa zu ermöglichen. Im September 2020 haben alle Beteiligten in einem Treffen mit weiteren Mitgliedern des Sieben-Bahnen-Agreements über die Digitalisierung der internationalen Containertransporte auf dem Eurasischen Korridor diskutiert. Eine mögliche Lösung: Blockchain. Damit wäre unter anderem der Transport papierlos möglich und somit noch umweltfreundlicher.

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