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So geht Energiesparen auf der Schiene

Als Unternehmen mit hohem Energiebedarf hat die Deutsche Bahn ein natürliches Interesse daran, hier zu sparen. DB Cargo hat seine vielfältigen Maßnahmen in einer Task Force gebündelt. railways sprach dazu mit Steffen Bobsien, dem Leiter European Assets & Technology bei DB Cargo.

Als Umwelt-Vorreiter rückt die DB Schwerpunktthemen wie Klima-, Lärm-, Arten- und Naturschutz in den Fokus. Die neue „Richtlinie über die Förderung der Energieeffizienz des elektrischen Eisenbahnverkehrs“ ist die Grundlage für eine mögliche Unterstützung von Eisenbahnverkehrsunternehmen aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) über einen Zeitraum von fünf Jahren. Dafür müssen sie Effizienzerfolge und entsprechende Maßnahmen nachweisen.

Herr Bobsien, wie wird das Thema Energiesparen bei der DB Cargo gelebt?

Steffen Bobsien: Seit 2010 haben wir unseren spezifischen Energieverbrauch je Leistungstonnenkilometer schon um über neun Prozent reduziert. Das hilft uns einerseits ganz unmittelbar in Form von geringeren Energiekosten, denn rund 60 Prozent der gesamten Lebenszyklus-Kosten einer Lok entfallen auf die Energie. Zum anderen haben wir in der DB Konzernstrategie das Ziel „Umwelt-Vorreiter“ fest verankert: Bis 2030 wollen wir unsere spezifischen CO2-Emissionen – also die Emissionen pro Personen- und Tonnenkilometer – gegenüber 2006 halbieren. Mit besserer Energieeffizienz leisten wir hierzu einen ganz erheblichen Beitrag. Und natürlich wollen wir auch weiterhin Energie einsparen und freuen uns, wenn wir uns damit auch für die EKF-Förderung qualifizieren.

DB Cargo startet also auf hohem Niveau...

Es ist richtig, dass wir aufgrund unserer bisherigen Erfolge die Einsparpotenziale schon stark ausgeschöpft und dadurch die „Messlatte sehr hochgelegt haben“. Ein Beispiel: Während sich die Energieeffizienz vor einigen Jahren mit der Einführung einer neuen Lok der Baureihe 185 gegenüber einer Altbaulok noch um über zehn Prozent steigern ließ, beträgt diese Steigerung heute mit einer Lok neuester Baureihe gegenüber einer Baureihe 185 voraussichtlich nur noch wenige Prozent. Das verdeutlicht, dass die durch die EKF-Förderung vorgeschriebene Effizienzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von mindestens 1,75 Prozent für 2018 und 2019 bzw. 2,0 Prozent ab 2020 kein Selbstläufer ist.

Was unternimmt DB Cargo, um das Ziel aus der Förderung dennoch zu erreichen?

Schon 2017 haben wir unsere Energiesparbemühungen an einer zentralen Stelle gebündelt und eine Task Force EKF aufgesetzt. Deren erste Aufgabe war es, Klarheit über unseren spezifischen Energieverbrauch je Tonnenkilometer zu bekommen – eine spezielle Kenngröße, die bei DB Cargo bisher nicht im Fokus stand. Parallel dazu haben wir Maßnahmen identifiziert, die sich positiv auf die Energieeffizienz auswirken. So wollen wir den Energieverbrauch durch optimierte Prozesse senken. Ein gutes Beispiel ist das „abgerüstete Abstellen“: Dabei reduzieren wir den Leerlaufverbrauch von Loks in Ruhephasen. Das erfordert allerdings eine vorausschauende Planung, damit wir lange Rüstzeiten bei der erneuten Inbetriebnahme vermeiden.

Welche Rolle spielen die Lokführer?

Das Fahrverhalten der Kollegen in den Loks beeinflusst den Energieverbrauch wesentlich. Wir unterstützen die energiesparende Fahrweise mit dem Fahrassistenzsystem LEADER, das ständig die energieeffiziente Geschwindigkeit anzeigt.  Mit der Einführung der neuen Kennzahl „Effizienz Traktionsenergie“ schaffen wir außerdem Transparenz über die Energieverbräuche. Das hilft den Kollegen.

Was waren aus Ihrer Sicht die wesentlichen Erfolgsfaktoren?

Energiesparen ist eine Teamleistung, und mit der Task Force EKF und Unterstützung durch die Unternehmensberatung Berg Lund & Company sind wir hier bestens aufgestellt. Zudem geht es beim Energiesparen immer auch darum, gewohnte Verhaltensmuster zu hinterfragen und neue Wege aufzuzeigen. Entscheidend ist dabei, die Kollegen vor Ort inhaltlich abzuholen und mitzunehmen. Auch Wertschätzung ist ein riesiger Hebel. Uns hat zum Beispiel immens geholfen, dass Vorstand und Gesamtbetriebsrat die Energiespar-Olympiade DB Cargo tatkräftig und persönlich durch Teilnahme an Events vor Ort unterstützt haben. Davon erhoffe ich mir bleibende Effekte für die Zukunft.