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Bis Ende 2020 wird der Schienenverkehrslärm halbiert

Aktiv zum Schutz vor Lärmemissionen beizutragen, ist Teil unserer Unternehmensphilosophie.

Transportdienstleistungen sind in einer arbeitsteiligen und global vernetzten Wirtschaft zwingend notwendig und damit eine Voraussetzung für unseren Wohlstand. Der Schienengüterverkehr ist hierbei die umweltfreundlichste Transportoption, er muss allerdings zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Akzeptanz leiser werden. Dieser Herausforderung stellen sich die DB und DB Cargo. 

Die Deutsche Bahn hat sich als Umweltvorreiter das Ziel gesetzt, den Schienenverkehrslärm ausgehend von 2000 bis 2020 zu halbieren. Erreicht werden kann dies nur mit Maßnahmen an der Infrastruktur und am Fahrzeug.

Auf diesem Weg hat die Bahn mit Unterstützung des Bundes schon vieles im Bereich der Infrastruktur getan, weitere umfassende Maßnahmen befinden sich in der Umsetzung.

Neben lärmmindernden Maßnahmen an der Infrastruktur müssen die Güterwagen leise werden.


Bereits weit über 90% der Wagen DB Cargo sind Ende 2019 leise

DB Cargo hat Ende 2019 bereits knapp 9700  neue leise Güterwagen in Deutschland im Einsatz. Bis Ende 2020 werden insgesamt gut 10.000 neue leise Wagen mit K-Sohlen eingesetzt werden.

Neben der Neubeschaffung von Wagen besteht die große Herausforderung in der Umrüstung der Bestandsgüterwagen. Die ohne aufwendigen Umbau des Bremssystems einsetzbare leise Verbundstoffsohle vom Typ LL ist im Juni 2013 zugelassen worden. Bis Ende 2020 sollen alle rund 51.000 für Deutschlandverkehre relevanten Bestandsgüterwagen von DB Cargo mit Flüsterbremsen ausgerüstet werden.

Schon ein halbes Jahr nach Zulassung der LL-Sohle hat DB Cargo im Januar 2014 mit der systematischen Umrüstung der Bestandsgüterwagen begonnen. Mittlerweile wurden bis Ende 2019 knapp 48 000 Güterwagen umgerüstet, so dass DB Cargo Ende 2019 einschließlich der neuen leisen Wagen über rund 57 650 leise aktive Güterwagen verfügt.

Somit sind Ende 2019 schon weit über 90% der aktiven Wagenflotte von DB Cargo mit der sogenannten Flüsterbremse ausgestattet. Ende 2020 werden alle Wagen von DB Cargo in Deutschland leise sein.


Umrüstung ist und bleibt ein Kraftakt

Um eine umfassende Lärmminderung erzielen zu können, müssen allerdings alle in Deutschland fahrenden Güterwagen und damit auch die rund 120.000 Bestandsgüterwagen anderer Wagenhalter (in- und ausländische Wagenvermieter und Bahnen) auf die leisen Bremssohlen umgerüstet oder durch neue leise Wagen ersetzt werden.
Der Bund bezuschusst die Umrüstung der Bestandsgüterwagen, die in Deutschland verkehren, mit etwa 150 Mio. €.

Daneben hat die DB Netz AG als finanziellen Anreiz zur Umrüstung der Wagen auf leise Bremssohlen das lärmabhängige Trassenpreissystem (LaTPS) eingeführt. Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zahlen für laute Güterzüge seit Juni 2013 einen Aufschlag zum Trassenpreis.  Die EVU erhalten andererseits für den Einsatz umgerüsteter leiser Wagen einen Bonus. Dieser Teil des Anreizsystems wird also vom Eisenbahnsektor selbst finanziert.

Neben der nationalen Förderung gibt es zusätzlich eine begrenzte Förderung aus den europäischen Mitteln der „Connecting Europe Facility (CEF)“.

Die Umrüstung stellt für den Eisenbahnsektor einen geschäftlichen Kraftakt im harten intermodalen Wettbewerb mit sehr engen Margen dar. Die Umrüstung selbst wird zu 50 % öffentlich gefördert. Nicht gefördert werden die erhöhten Betriebskosten umgerüsteter Wagen. So müssen u.a. Bremsen und Radsätze in kürzeren Abständen inspiziert werden, Radsätze sind häufiger zu reprofilieren und verschleißen schneller, die LL-Sohlen sind auch im Ersatz deutlich teurer als heutige Grauguss-Bremssohlen.
 

Ab Mitte Dezember 2020 sind laute Güterwagen in Deutschland verboten

Mit dem Schienenlärmschutzgesetz, das in 2017 verabschiedet wurde, wird ab dem 13.12.2020 der Betrieb lauter Güterwagen in Deutschland verboten.

Hierauf hat sich DB Cargo mit der Neubeschaffung leiser Wagen und der Umrüstung der Bestandsgüterwagen eingerichtet. Wichtig ist, dass auch die anderen Bahnen und Wagenhalter über ausreichend leise Wagen für Deutschland-Verkehre verfügen und diese einsetzen, damit der umweltfreundlichen Schiene keine Transporte verloren gehen. Zudem muss gewährleistet werden, dass keine produktionellen Probleme an den Grenzen durch laute Wagen und deren Zurückweisen entstehen.

Beide Aspekte - Verkehrssicherung wie auch Vermeidung von produktionellen Problemen – werden von DB Cargo mit den in ihre Transportketten einbezogenen Dienstleistern intensiv erörtert.

Wichtig für den Bürger ist, dass ab Mitte Dezember 2020 ausschließlich leise Güterwagen in Deutschland fahren werden. Da das Ohr logarithmisch hört („75 % Umrüstung erbringen erst 50 % der Lärmminderung), wird erst dann die volle Lärmminderungswirkung, nämlich die Halbierung, wahrgenommen.


HINTERGRÜNDE: Akustisch, technisch und betrieblich

Schienenverkehrslärm hat unterschiedliche Ursachen. Die wichtigste Quelle ist der Rad-Schiene-Kontakt. Güterwagen werden traditionell mit Bremsklötzen aus metallischem Grauguss gebremst, die auf die Lauffläche der Räder wirken. Bei den Bremsvorgängen wird dadurch im Laufe der Zeit die Radlauffläche aufgeraut. Als Folge entsteht beim Rollen des Güterwagens Lärm.

Die Lösung: glattes Rad auf glatter Schiene. Getrieben von den Eisenbahnen hat die Industrie Verbundstoff-Bremssohlen entwickelt. Diese "Flüsterbremse" beugt der Verriffelung der Radlauffläche vor. Über den Glättungseffekt beim Bremsen sorgt die Flüsterbremse für glatte Räder während der Fahrt. Die Lärmbelastung durch den vorbeifahrenden Zug wird, wenn die Wagen mit Verbundstoff-Bremssohlen ausgestattet sind, um rund 10 dB(A) reduziert. In der menschlichen Wahrnehmung wird dies als eine Halbierung des Rollgeräusches wahrgenommen.

Flüsterbremse

Von den Verbundstoff-Bremssohlen ist die sogenannte Kompositsohle (K-Sohle) seit 2003 international unbeschränkt zugelassen. Bereits seit der vorläufigen Zulassung im Jahr 2001 beschafft DB Cargo neue Güterwagen mit dieser Sohle. Rund 9700 neue leise Wagen sind Ende 2019 bei der DB Cargo im Einsatz.

Das Bremssystem eines Wagens muss speziell auf die K-Sohle ausgelegt sein, was bei Neuwagen einfach zu realisieren ist. Bei Bestandsgüterwagen muss das Bremssystem beim Einsatz der K-Sohle hingegen aufwendig umgebaut und neu zugelassen werden. Deshalb wurde die LL-Sohle entwickelt, die (bis auf wenige Ausnahmen) ohne Umbau des Bremssystems in Bestandsgüterwagen eingebaut werden kann.
 

Damit die Flüsterbremse flächendeckend ihre Wirkung entlang der Gleise entfalten kann, ist die konsequente Umrüstung von Güterwagen mit Grauguss-Bremssohlen auf Verbundstoff-Bremssohlen notwendig. Für eine umfassende Lärmminderung ist eine vollständige Umrüstung anzustreben.

Für den Schienengüterverkehr in Deutschland heißt das: Rund 180.000 Wagen müssen umgerüstet oder durch neue Wagen ersetzt werden, etwa 1/3 davon bei DB Cargo. Auf dem deutschen Eisenbahnnetz fahren daneben weitere rund 120.000 umzurüstende Güterwagen privater deutscher und ausländischer Wagenhalter und anderer Bahnen mit nennenswerter Laufleistung.