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Wir halbieren den Schienenverkehrslärm bis 2020

Aktiv zum Schutz vor Lärmemissionen beizutragen, ist Teil unserer Unternehmensphilosophie.

Transportdienstleistungen sind in einer arbeitsteiligen und global vernetzten Wirtschaft zwingend notwendig und damit eine Voraussetzung für unseren Wohlstand. Der Schienen- güterverkehr ist hierbei die umweltfreundlichste Transportoption, er muss allerdings zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Akzeptanz leiser werden. Dieser Herausforderung stellen sich die DB und DB Cargo. Wir wollen den Schienenverkehrslärm bis 2020 halbieren.

Die Deutsche Bahn hat sich als Umweltvorreiter das Ziel gesetzt, den Schienenverkehrslärm ausgehend von 2000 bis 2020 zu halbieren. Erreicht werden kann dies nur mit verschiedenen Maßnahmen am Fahrweg und am Fahrzeug.

Auf diesem Weg hat die Bahn mit Unterstützung des Bundes schon vieles im Bereich der Infrastruktur getan, weitere umfassende Maßnahmen sind geplant: Rund 1.700 von insgesamt 3.700 lärmsanierungsbedürftigen Kilometer sind im Rahmen des freiwilligen Lärmsanierungs- programms des Bundes bereits lärmsaniert. Dafür wurden (Stand Ende 2017) etwa 700 Kilometer Schallschutzwände errichtet und rund 58.400 Wohnungen mit passivem Lärmschutz ausgestattet. Bis 2020 sollen insgesamt rund 2.000 Kilometer lärmsaniert sein.

Das Lärmsanierungsprogramm wird unter Einschluss innovativer Technologien für die Lärmminderung an der Infrastruktur mit Nachdruck fortgesetzt.


Bereits knapp 2/3 der Wagen DB Cargo sind Ende 2017 leise

Die Umrüstung auf Flüsterbremse wird  bei DB Cargo seit 4 Jahren konsequent betrieben. DB Cargo hat Ende 2017 bereits über 8300 neue leise Güterwagen im Einsatz. Bis 2020 werden insgesamt rund 9.000 neue leise Wagen mit K-Sohlen eingesetzt werden.

Neben der Neubeschaffung von Wagen besteht die große Herausforderung in der Umrüstung der Bestandsgüterwagen. Die ohne aufwendigen Umbau des Bremssystems einsetzbare leise Verbundstoffsohle vom Typ LL ist im Juni 2013 zugelassen worden. Bis 2020 sollen alle rund 55.000 umrüstungsrelevanten (also zwischenzeitlich nicht auszumusternden) Bestandsgüterwagen von DB Cargo mit Flüsterbremsen vom Typ LL ausgerüstet werden.

Schon ein halbes Jahr nach Zulassung der LL-Sohle hat DB Cargo im Januar 2014 mit der systematischen Umrüstung der Bestandsgüterwagen begonnen. Mittlerweile wurden bis Ende 2017 mehr als 31 000 Güterwagen umgerüstet, so dass DB Cargo  Ende 2017  einschließlich der neuen leisen Wagen  über rund 40.000 leise Güterwagen verfügt.

Somit sind Ende 2017 schon knapp 2/3 der aktiven Wagenflotte von DB Cargo mit der sogenannten Flüsterbremse ausgestattet. Ende 2020 werden alle Wagen von DB Cargo in Deutschland leise sein.


Umrüstung ist und bleibt ein Kraftakt

Um eine umfassende Lärmminderung erzielen zu können, müssen allerdings alle in Deutschland fahrenden Güterwagen und damit auch die rund 120.000 Bestandsgüterwagen anderer Wagenhalter (in- und ausländische Wagenvermieter und Bahnen) auf die leisen Bremssohlen umgerüstet oder durch neue leise Wagen ersetzt werden.

Der Bund bezuschusst die Umrüstung der Bestandsgüterwagen, die in Deutschland verkehren, mit etwa 150 Mio. €.

Daneben hat die DB Netz AG als finanziellen Anreiz zur Umrüstung der Wagen auf leise Bremssohlen das lärmabhängige Trassenpreissystem (LaTPS) eingeführt. Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zahlen für laute Güterzüge seit Juni 2013 einen Aufschlag zum Trassenpreis. Dieser beträgt seit Dezember 2017 4 % und ist zu zahlen, wenn die Züge nicht zu mindestens 90% aus leisen Wagen bestehen. Die EVU erhalten andererseits für den Einsatz umgerüsteter leiser Wagen einen Bonus. Dieser Teil des Anreizsystems wird also vom Eisenbahnsektor selbst finanziert.

Neben der nationalen Förderung gibt es zusätzlich eine begrenzte Förderung aus den europäischen Mitteln der „Connecting Europe Facility (CEF)“.

Die Umrüstung stellt für den Eisenbahnsektor einen geschäftlichen Kraftakt im harten intermodalen Wettbewerb mit sehr engen Margen dar. Die Umrüstung selbst wird zu 50 % öffentlich gefördert. Nicht gefördert werden die erhöhten Betriebskosten umgerüsteter Wagen. So müssen u.a. Bremsen und Radsätze in kürzeren Abständen inspiziert werden, Radsätze sind häufiger zu reprofilieren und verschleißen schneller, die LL-Sohlen sind auch im Ersatz deutlich teurer als heutige Grauguss-Bremssohlen. Diese erhöhten Betriebskosten betragen für den gesamten Eisenbahnsektor bis zum Jahr 2020 etwa 700 Mio. € und belasten die intermodale Wettbewerbsfähigkeit des umweltfreundlichen Schienengüterverkehrs.
 

HINTERGRÜNDE: Akustisch, technisch und betrieblich

Schienenverkehrslärm hat unterschiedliche Ursachen. Die wichtigste Quelle ist der Rad-Schiene-Kontakt. Güterwagen werden traditionell mit Bremsklötzen aus metallischem Grauguss gebremst, die auf die Lauffläche der Räder wirken. Bei den Bremsvorgängen wird dadurch im Laufe der Zeit die Radlauffläche aufgeraut. Als Folge entsteht beim Rollen des Güterwagens Lärm.

Die Lösung: glattes Rad auf glatter Schiene. Getrieben von den Eisenbahnen hat die Industrie Verbundstoff-Bremssohlen entwickelt. Diese "Flüsterbremse" beugt der Verriffelung der Radlauffläche vor. Über den Glättungseffekt beim Bremsen sorgt die Flüsterbremse für glatte Räder während der Fahrt. Die Lärmbelastung durch den vorbeifahrenden Zug wird, wenn die Wagen mit Verbundstoff-Bremssohlen ausgestattet sind, um rund 10 dB(A) reduziert. In der menschlichen Wahrnehmung wird dies als eine Halbierung des Rollgeräusches wahrgenommen.

Flüsterbremse

Von den Verbundstoff-Bremssohlen ist die sogenannte Kompositsohle (K-Sohle) seit 2003 international unbeschränkt zugelassen. Bereits seit der vorläufigen Zulassung im Jahr 2001 beschafft DB Cargo neue Güterwagen mit dieser Sohle. Über 8300 neue leise Wagen sind Ende 2017 bei der DB Cargo bereits im Einsatz.

Das Bremssystem eines Wagens muss speziell auf die K-Sohle ausgelegt sein, was bei Neuwagen einfach zu realisieren ist. Bei Bestandsgüterwagen muss das Bremssystem beim Einsatz der K-Sohle hingegen aufwendig umgebaut und neu zugelassen werden. Deshalb wurde die LL-Sohle entwickelt, die (bis auf wenige Ausnahmen) ohne Umbau des Bremssystems in Bestandsgüterwagen eingebaut werden kann.

Damit die Flüsterbremse flächendeckend ihre Wirkung entlang der Gleise entfalten kann, ist die konsequente Umrüstung von Güterwagen mit Grauguss-Bremssohlen auf Verbundstoff-Bremssohlen notwendig. Für eine umfassende Lärmminderung ist eine vollständige Umrüstung anzustreben.

Für den Schienengüterverkehr in Deutschland heißt das: Rund 180.000 Wagen müssen umgerüstet oder durch neue Wagen ersetzt werden, etwa 1/3 davon bei DB Cargo. Auf dem deutschen Eisenbahnnetz fahren daneben weitere rund 120.000 umzurüstende Güterwagen privater deutscher und ausländischer Wagenhalter und anderer Bahnen mit nennenswerter Laufleistung.