Artikel: Reißfest beginnt auf der Schiene
Der Chemiemarkt ist angespannt, Produktionsmengen schwanken, Lieferketten müssen flexibel reagieren. Genau hier setzt das neue Logistikkonzept von DB Cargo BTT, Teil der Geschäftseinheit Liquids & Bulk von DB Cargo, für den Chemiekunden Fibrant B.V. an.
Fibrant produziert im niederländischen Geleen den Rohstoff Cyclohexanon – ein zentraler Baustein für die Herstellung von Polyamid 6, besser bekannt als Nylon. Um veränderten Marktanforderungen gerecht zu werden, musste die Supply Chain strategisch neu gedacht werden: Die Abnehmer wünschen die Anlieferung per Schiff. Der Rohstoff muss also zuverlässig in Richtung Seehafen transportiert werden.
Vom Werk ins Tanklager am größten Hafen Europas
Die Lösung: DB Cargo BTT bringt den Rohstoff per Schiene vom Werk in Geleen zum LBC Tank Terminal in Rotterdam-Botlek – direkt am größten Seehafen Europas. Dort wird das Cyclohexanon in von Fibrant angemietete Tanks gepumpt und bis zur weiteren Verschiffung zwischengelagert. So entsteht eine nahtlose Verbindung zwischen Produktionsstandort, Tanklager und den globalen Absatzmärkten.
Das Terminal in Rotterdam-Botlek wurde in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert und erweitert. Herzstück ist eine hochmoderne Be- und Entladeanlage, die speziell auf die Anforderungen sensibler Chemieprodukte ausgelegt ist. Effiziente Prozesse, hohe Sicherheitsstandards und optimal abgestimmte Infrastruktur sorgen dafür, dass auch größere Mengen zuverlässig und qualitätsgesichert abgewickelt werden können.
Initiiert und zusammengeführt wurde das Transportkonzept von Erik Koning, Business Development Manager bei DB Cargo BTT. Gemeinsam mit dem Kunden und dem Terminal entwickelte sein Team ein tragfähiges Gesamtkonzept entlang der gesamten Supply Chain. „Gerade in einem volatilen Marktumfeld sind partnerschaftlich entwickelte Lösungen der Schlüssel, um Lieferketten stabil und planbar zu halten“, betont Koning. „Unser Anspruch ist es, Industrie und Seehafen so miteinander zu vernetzen, dass für unsere Kunden echte Flexibilität entsteht.“ Auch auf Kundenseite wird die Zusammenarbeit positiv bewertet: „Für uns steht Versorgungssicherheit an erster Stelle. Die enge Verzahnung mit DB Cargo BTT und dem Terminal gibt uns die notwendige Stabilität, um auch in einem dynamischen Markt zuverlässig produzieren und liefern zu können,“ erklärt Bertin Terpstra, Supply Chain Manager bei Fibrant B.V.
Einzelwagenkonzept als Erfolgsfaktor
Die Transporte erfolgen im Einzelwagenverkehr (EV). Mehrere Wagengruppen mit bis zu zwölf Kesselwagen pro Woche verbinden Geleen mit Rotterdam. Was auf den ersten Blick nach einem klassischen Ganzzuggeschäft klingt, wurde bewusst anders gedacht: DB Cargo BTT setzte gezielt auf ein hochfrequentes und flexibles EV-Konzept. Der Hintergrund ist klar: Produktions- und Absatzmengen in der Chemieindustrie schwanken derzeit stark. Mit der Einzelwagen-Lösung lassen sich diese Volatilitäten deutlich besser abfedern. Anlieferungen können bedarfsgerecht gesteuert und Terminalkapazitäten gleichmäßiger ausgelastet werden. Gerade für die Chemiebranche ist das flexible EV-Netzwerk ein strategischer Vorteil: Es verbindet Produktionsstandorte, Tanklager und Seehäfen engmaschig und zuverlässig – und bietet genau die Anpassungsfähigkeit, die chemische Lieferketten in einem dynamischen Marktumfeld benötigen.
Digitalisierung schafft Transparenz in Echtzeit
Ein zentraler Erfolgsfaktor des Transportkonzepts ist die konsequente Digitalisierung der Schnittstellen. „Unser Ziel war es, eine durchgängige digitale Verbindung zwischen Werk, Transport und Terminal zu schaffen“, erklärt Ernie Dullaard von DB Cargo Nederland, der die technische Integration verantwortete. „Nur wenn alle Beteiligten in Echtzeit auf dieselben Informationen zugreifen können, entsteht echte Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.“ Bereits im Vorfeld entwickelten LBC Tank Terminal und DB Cargo BTT ein elektronisches Abrufverfahren. So kann das Terminal jederzeit digital einsehen, welche Mengen bereits vor Ort eingelagert sind und welche Anlieferungen anstehen. Zusätzlich erhält LBC Echtzeitdaten zu Wagennummern, Abfahrtsorten und Kapazitäten. Durch die Anbindung an link2rail ist zudem transparent nachvollziehbar, wo sich die Wagen aktuell im Netzwerk befinden. Für das Terminal bietet die Datenintegration vor allem mehr operative Steuerungsmöglichkeiten. „Die frühzeitige Verfügbarkeit der Transportdaten erlaubt uns eine präzise Planung unserer Tankbelegung und Entladeprozesse. Das erhöht die Prozesssicherheit und sorgt für stabile Abläufe im täglichen Betrieb“, betont Alexander Dorhout Mees, Product Manager bei LBC Tank Terminal.
Erfolgreicher Start – mit Perspektive
Anfang Februar wurden die ersten Wagen planmäßig und sicher entladen. Der erfolgreiche Start bestätigt die Tragfähigkeit des Konzepts und bildet die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Zusammenarbeit.
Das Konzept zeigt, wie DB Cargo als Bindeglied zwischen Industrie und Seehäfen agiert: sicher im Umgang mit sensiblen Chemieprodukten, flexibel in der operativen Umsetzung und partnerschaftlich in der Entwicklung resilienter Lösungen. So entsteht mit intelligenter Schienenlogistik aus einem chemischen Vorprodukt nicht nur reißfeste Nylon-Faser – sondern eine stabile, zukunftsfähige Lieferkette.