DB Logo

Wie das Papier nach Europa kommt

Südamerika ist einer der wichtigsten Märkte für die Produktion von Zellstoff. Dieser wird zu einem Großteil über europäische Seehäfen nach Europa importiert und von dort zu den Verbrauchern gebracht. Zunehmend mit intelligenten Logistik- und Transport­lösungen von DB Cargo.

Sei es unser Notizblock, das Kopierpapier, die stets griffbereite Küchenrolle oder das altbewährte Papiertaschentuch: Durchschnittlich 700 Gramm Papier verbrauchen wir Europäer – und das jeden Tag. Zellstoff ist der wichtigste Rohstoff dafür. 2017 wurden weltweit mehr als 165 Millionen Tonnen Zellstoff für die Papierindustrie hergestellt, davon mehr als 24 Millionen in Südamerika. Der Import des „weißen Goldes“ vom Subkontinent geschieht vor allem über Seehäfen in den Niederlanden, Italien und Deutschland. 

Vlissingen und Brake: Know-how im Umschlag von Zellstoff und Papier

„Die verschiedenen Zellstoffsorten kommen in den Häfen in Form von bis zu 250 Kilogramm schweren Ballen an, von denen jeweils sechs bis acht Stück zu einer Unit verdrahtet sind“, erklärt Martin Reiser, Key Account Manager und Geschäftsentwickler für den Zellstoffmarkt bei DB Cargo in Bremen. Mit Verbrugge in Vlissingen und dem Hafen-Terminal-Betreiber J. Müller in Brake an der Unter­weser haben sich zwei Seehäfen im Nordwesten Europas auch auf den Import von Zellstoff aus Übersee spezialisiert. „Vlissingen ist der Main Port. Dort schlägt Verbrugge Terminals jährlich 4,5 Millionen Tonnen Zellstoff aus Südamerika, aber auch Nordeuropa und Portugal um“, sagt Reiser. „Unsere Partnerschaft mit Verbrugge ist eine der Voraussetzungen dafür, dass wir neue Verbindungen entwickeln können, um noch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.Mit seinem spezialisierten Terminal ist Brake der größte deutsche Importhafen für Zellulose, den täglich drei Züge mit Zellstoff verlassen. Sollte es Mehrmengen geben, werden diese flexibel über Bedarfszüge gesteuert. ­Reiner Schelling, Zellstoff-Logistik­experte von J. Müller in Brake: „Durch die exzellente Bahnanbindung und eine langjährige gute Zusammenarbeit mit DB Cargo gehen in Brake mehr als zwei Drittel des Ladungsaufkommens umweltfreundlich per Schiene weiter zum Kunden. Dafür bewegt DB Cargo im Hinterlandverkehr der Seehäfen jährlich rund 43.000 Großraum-Güterwagen mit einem Ladevolumen, das dem von 110.000 Lkws entspricht.

Marktführer Fibria: Spitze im nachhaltigen Eukalyptusanbau

Einer der führenden Produzenten von Zellstoff in Südamerika ist das brasilianische Unternehmen Fibria, das für dieses Jahr einen Output von über sieben Millionen Tonnen anvisiert hat. Auf einem Waldbesitz von mehr als einer Million Hektar hat sich der Konzern auf den nachhaltigen Anbau von Eukalyptus spezialisiert. Mehr als zwei Drittel seines Waldbesitzes lässt Fibria unbewirtschaftet. Auf der restlichen Fläche werden nach neuesten ökologischen Erkenntnissen Eukalyptus-Plantagen betrieben. Targe Bock, bei Fibria verantwortlich für die Logistik in Europa: „Fibrias Bemühungen um Nachhaltigkeit, zum Schutz der Umwelt, passen genau zu den nachhaltigen Transporten auf Schiene und Binnenschiff.“


UPM – aus nachhaltigen Wäldern zum Hafen

Die Fray-Bentos-Produktionsstätte von UPM liegt an der Ufern des Flusses Uruguay. Sie wurde 2007 als erste Zellstofffabrik des Landes in Betrieb genommen und gilt bis heute als eine der besten Produktionsstätten der Welt. UPM produziert dort jährlich 1,3 Millionen Tonnen sogenannten „Bleached hardwood eucalyptus pulp“. 350 Lkws fahren die dazu benötigten 4,6 Millionen Kubikmeter Holz aus den Plantagen. Die fertigen Zellstoffballen werden dann mit dem Binnenschiff zum Tiefseehafen Nueva Palmira gebracht, wo sie auf Ozeanfrachter geladen werden, die Europa und Asien ansteuern. Die Plantagen von UPM werden nachhaltig bewirtschaftet und gehören teilweise UPM und lokalen Landbesitzern. Die UPM-Stiftung arbeitet seit 2016 mit den lokalen ­Stakeholdern zusammen an der Entwicklung der ländlichen Gemeinschaft durch Bildung, Training und Unternehmertum – sowohl im Bereich Papier als auch im Bereich Zellstoff. Matti Tamminen von UPM, verantwortlich für die Zellstofflogistik in Europa: „Wir untersuchen ständig, welche Zellstofftransporte wir noch auf der Schiene abbilden können, um die Straßen zu entlasten.“

„Wir sind Partner für Stake­holder der gesamten Branchen­-Supply-Chains“

Dass dieses Wachstum auch Auswirkungen auf die Leistungsversprechen von DB Cargo an seine Kunden hat, die Zellstoff von Südamerika nach Europa importieren, versteht sich für Martin Reiser von selbst: „In den letzten vier Jahren haben wir die Zusammenarbeit mit unseren Kunden auf Basis unserer Pulp & Paper Roadmap stets weiterentwickelt.“ Darin seien vier Parameter identifiziert worden, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend seien: Kommunikation, Strategie, Wettbewerbsfähigkeit und die operative Zusammenarbeit. „So haben wir für unsere Kunden Kompetenzteams gegründet, in denen wir gemeinsam Lösungen für spezifische Anforderungen entwickeln.“ Für Martin Reiser und sein Team ist es wichtig, ein verlässlicher Partner für die Stakeholder der gesamten Supply­-Chain-Branche zu sein. „Deshalb suchen wir intensiv das Gespräch mit den gestaltenden und entscheidenden Profis im Netzwerk, um ihre Bedürfnisse und Strategien zu kennen und daraus werthaltige Lösungen abzuleiten.“ Eine dieser Lösungen ist der „DB Cargo Pulp-Sprinter“.

Kundenlösung „Pulp-Sprinter“

„Der Pulp Sprinter ist eine flexible Rail Lösung, bestehend aus verknüpften Ganzzugs- und Einzelwagenkapazitäten, die für eine kostenoptimale und stabile Pulp Supply Chain sorgt“, erklärt Martin Reiser das Prinzip in aller Kürze. Einer der Kunden, bei dem das System des Pulp Sprinter zur Anwendung kommt, ist die Mondi Neusiedler GmbH im niederösterreichischen Ulmerfeld-Hausmening. Mehr als 140.000 Tonnen Zellstoff jährlich transportiert DB Cargo aus verschiedenen Versandbahnhöfen in die Papierproduktionsstätte.

DB Cargo papier stapler

DB Cargo agiert hier als Ansprechpartner für ­
die gesamte Logistikkette. „Die Lieferung erfolgt mit Ganzzügen und ergänzend mit sogenannten Sprinter-Gruppen, die von den Häfen Brake und Vlissingen fahren und bei denen wir die ­Kapazitäten individuell skalieren können.“ So kann Mondi die Transporte auch dann fahren, wenn die Menge für einen Zug mal nicht reichen bzw. darüber liegen sollte. Die Steuerung der Pulp Supply Chain ist dabei sowohl für die Wagenbestellung, die zeitgerechte Leerwagen-Gestellung und Abstimmung mit dem Terminal als auch für die proaktive Überwachung der ­Transportkette und zeitnahe Informationen an den Kunden zuständig. „Mithilfe des Pulp Sprinters ­stellen wir eine effiziente, wettbewerbsfähige und schnelle Zulieferkette für den ­Zellstofftransport sicher, und zwar auf die Stunde genau“, sagt Dr. Paul Bartmann, der als Head of Pulp Sourcing bei der Mondi Group die externe Beschaffung von Zellstoff für alle Mondi-Fabriken sowie die interne Koordination der Zellstoffaktivitäten verantwortet. „Selbst bei schwierigen äußeren Bedingungen kommt unsere Lieferung dank einer hohen Priorisierung auf dem Schienennetz pünktlich in unseren Papierfabriken an.“

„Wir untersuchen ständig, ­welche Zellstofftransporte wir noch auf der Schiene abbilden können, um die Straßen
zu ­entlasten.“  

MARTIN REISER
Key Account Manager und
Geschäftsentwickler für den Zellstoffmarkt

Mondi Group: Global Player im Papiermarkt

Mondi ist ein globales Verpackungs- und Papierunternehmen, das rund 25.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern beschäftigt. Dr. Paul Bartmann, Head of Pulp Sourcing der Mondi Group in ganz Europa und Mitglied im Executive Comitee der Utipulp, einer Vereinigung der Zellstoffeinkäufer in Europa: „Wir sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackungs- und Papierherstellung tätig – von der Bewirtschaftung unserer Wälder über die Produktion von Zellstoff, Papier und Verbundstoffen bis hin zur Entwicklung effizienter und nachhaltiger Industrie- und Konsumgüterverpackungen.“ Dafür betreibt der Konzern zahlreiche Forschungs- und Entwicklungszentren. Allein in Deutschland und Österreich unterhält Mondi sechs Innovationszentren und zählt damit zu den Vorreitern in der Branche. Vor diesem Hintergrund schätzt Dr. Paul Bartmann die strategische Kooperation mit DB Cargo: ­„Mithilfe des Pulp-Sprinters stellen wir eine effiziente, wettbewerbsfähige
und schnelle Zulieferkette für den Zellstofftransport sicher – auf die Stunde genau.“

Gemeinsam Logistiklösungen entwickeln

Auch für Kunden, die noch keinen oder keinen leistungsfähigen ­Gleis­anschluss haben, entwickeln Martin Reiser und sein Team passende Logistikkonzepte. Aktuell berät er einen großen Papierhersteller mit zwei Werken, die fast ihre gesamte Rohstoffmenge von über 400.000 Tonnen derzeit noch mit dem Binnenschiff und Lkw transportieren und nun Schienenlösungen stärker integrieren möchten. „Gemeinsam mit dem Kunden überlegen wir, wie wir diese Menge in seinen Gleisanschlüssen abbilden ­können und welches Betriebssystem dafür  am besten geeignet ist“, sagt Martin Reiser. Ein bewährter Partner  in diesem Gefüge ist die leistungs starke Hamburger Spedition Fr.  Meyer’s Sohn (FMS).

FMS: Spezialist für Zellstoff­produkte

Fr. Meyer’s Sohn ist der weltweit größte Logistikspezialist für Zellstoff-, Papier- und Holzprodukte. Zellstoff wird im Hauptlauf, insbesondere ab Südamerika, überwiegend in Bulk-Schiffe verladen. Das sind Kolosse mit über 50.000 Tonnen Last, die nur an eine begrenzte Auswahl an Häfen verschifft werden können. Als Alternative zu den Bulk-Transporten nutzt die Spedition ihre Container-Expertise in der Verladung und im Transport von Zellstoff und Papier. Die Schienentransporte mit DB Cargo werden dabei ergänzt durch Binnenschifftransporte ihrer Beteiligungsfirma „Interrijn“ sowie einer kleinen, aber feinen eigenen Lkw-Flotte. FMS kann seinen Kunden so maximale Flexibilität anbieten. Mit dem Tool „CruiseControl“ ist der Partner zudem in der Lage, verkehrsträgerübergreifend komplette Logistiksysteme zu analysieren und zu steuern. Bernd Müller, Commercial Manager für Import bei Fr. Meyer’s Sohn: „Unsere Vorteile sind unser umfassendes Netzwerk, unser Know-how in der Papierindustrie sowie unsere Präsenz an vielen Häfen.“

Konzeptansatz Rundlaufoptimierung

Ein effizienter, gemeinsamer Konzept­ansatz, den FMS und DB Cargo ausgearbeitet haben, ist die Entwicklung und Optimierung von Rundläufen. Das Ziel: Zellstoff wird von den Seehäfen Brake oder Vlissingen per Bahn zu den Papierfabriken transportiert, die dann rückbefrachtet werden mit fertigem Papier für Exporte und kontinentale Kunden. „Da ist Synergie und Effizienz drin, bei gleichzeitig gesichertem Laderaum“, so Bernd Müller. Und ­Reiser ergänzt, dass es für ihn und sein Team generell wichtig sei, ein verlässlicher Partner für Kunden und Stakeholder der Supply-Chains zu sein. „Deshalb suchen wir intensiv das Gespräch mit den gestaltenden und entscheidenden Profis im Netzwerk, um ihre Bedürfnisse und Strategien zu verstehen, diese mit unseren logistischen Ideen, Möglichkeiten und Synergien anzureichern und dann gemeinsam Lösungen zu implementieren.“ Dank dieses Netzwerks kann DB Cargo heute europaweit rund 6,5 Millionen Tonnen Papier und Zellstoff pro Jahr transportieren. Eine Menge, die „Zug um Zug“ ausgebaut werden soll.
 

„Die umweltfreundlichen Lösungen beim Bahntransport sind eine hervorragende Alternative zum Binnenschiff und Lkw.“

BERND MÜLLER
Corporate Manager Import
Forstprodukte Fr. Meyer’s Sohn