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Multimodale Zukunft

Multimodale Mobilität ist ein Megatrend. Der Transport mit einem Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln ­sorgt für ­Effizienz und Planungssicherheit – und schont die Umwelt. Wer auf diesen Zug aufspringt, rollt ­in die Zukunft. Wer nicht, verpasst den Anschluss.

Der britische Zukunftsforscher Rohit Talwar zeichnet ein ebenso dynamisches wie wohlkoordiniertes Bild vom Verkehr der Zukunft in unseren Großstädten: „In diesem Szenario sind die Verkehrs- und Fußgängerströme sehr viel regelmäßiger geworden, der Einfluss des Transports auf die Umwelt ist dramatisch gesunken. Im Zentrum großer Städte leitet und verbindet ein einziges Kontrollzentrum automatisch Dienstleistungen je nach Bedarf – es verbindet Busse und S- wie U-Bahnen und die Signalgebung für Straßen- und Schienenverkehr. Echtzeitanalysen erlauben eine umfassendere Nutzung der Straßen- und Schienenstrecken. Boote pendeln automatisch auf den Flüssen.“

Was für den Personenverkehr in den Metropolen der Zukunft gilt, gilt umso mehr für den Güterverkehr, zumal er das Rückgrat einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft ist. Er ist zudem ein entscheidender Faktor für Unternehmen und Standorte im globalen Wettbewerb und muss sich an seiner Effizienz und Leistungsfähigkeit messen lassen. Das gilt besonders für Deutschland als führenden internationalen Wirtschaftsstandort und als Logistikdrehscheibe im Herzen Europas.

Doch die Gegenwart sieht weit weniger spektakulär aus: Große Teile des transeuropäischen Straßennetzes sind heute überlastet. „Just im Stau“ anstelle von „Just in Time“ könnte man das nennen.

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Multimodale Systeme sind der Ausweg, sagt Rohit Talwar: „Unternehmen im Schienengüterverkehr müssen ihre Transportangebote erneuern, um intelligentere, flexiblere und in höherem Maße automatisierte Dienstleistungen anzubieten, die den Erwartungen in der Zukunft entsprechen“, so der Forscher, der Unternehmen und Regierungen dabei berät, globalen Megatrends zu begegnen. Vor allem die rasante Entwicklung der Digitalisierung ergebe ein hohes Rationalisierungspotenzial im Güterumschlag: „Der Großteil der Kundenerleb­nisse ist heute durch künstliche Intelligenz ,smart‘ und vorhersagbar. Schienengüterverkehrs­anbieter müssen entsprechende Leistungen anbieten.“
Doch dabei haben sie eine besondere Verantwortung. Der Transport auf der Schiene, der gegenüber dem auf der Straße bis zu 80 Prozent weniger CO₂ ausstößt, wird auf dem Weg in die multimodale Zukunft zum Kernelement einer umfassenden Logistikstrategie für Wirtschaft, Mensch und Umwelt. „Als zentrale Akteure im Bereich Transport haben Eisenbahnunternehmen die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen von der Kohle unabhängig zu machen und einen entscheidenden Schritt bei der Effizienz zu gehen“, sagt Talwar. „Diese Verantwortung sei bezüglich des Klimawandels eine doppelte: „Wenn internationale Schienenverkehrsunternehmen den Effekt, den der Klimawandel auf die Infrastruktur hat, nicht verhindern, müssen sie selbst möglicherweise große Verluste hinnehmen.“ Auch könnte sich der zukünftige Markt für Schienentransporte einer größeren Konkurrenz von Privatunternehmen und Start-ups gegenübersehen – was Forschung und Innovation noch weiter antreiben würde.
Verkehrsübergreifende Transportmodelle bieten Chancen und Herausforderungen. Doch was auch immer das Motiv für ihre Entwicklung ist – als sicher darf gelten, dass diese rasant in Richtung einer multimodalen Zukunft weiter vorangetrieben wird. Zum Vorteil von Industrie und Umwelt, Unternehmen und Kunden.

Unternehmen
im Schienengüterverkehr müssen ­ihre Angebote erneuern, um den Erwartungen in der Zukunft zu entsprechen.

ROHIT TALWAR
Zukunftsforscher und Gründer von
Fast Future Research

Wie ein zukunftsgerechter Güterverkehr entwickelt werden kann, zeigt das Beispiel DB Cargo

Das Unternehmen will 2018 gezielt in multimodale Konzepte, ein effizientes Streckennetz und Digitalisierung investieren: Transport- und Streckenkapazitäten, Fahrpläne und Regelwerke sollen online gebucht und Trassen digital vergeben werden. Automatisierung soll in Zukunft dafür sorgen, dass ­Strecken besser ausgelastet sind und die Leistungsfähigkeit erhöht wird. Betriebsprozesse werden schlanker, der Transport zuverlässiger. „Automatisiertes Kuppeln, autonomes Rangieren, mit dem Internet verbundene und intelligente Güterwagen werden den Schienengüterverkehr deutlich attraktiver machen“, prognostiziert DB-Verkehrsvorstand Berthold Huber.
Gleichzeitig kann der deutsche Logistiker mit dem Masterplan Schienengüterverkehr und der damit einhergehenden Unterstützung aus Berlin wichtige Strecken und Knotenpunkte erweitern oder neu bauen, etwa Überholgleise für den Einsatz längerer Züge einrichten. „Derzeit liegt die Maximallänge von Güterzügen bei 700 Metern“, erklärt Raimund Stüer, Vertriebsvorstand von DB Cargo: „Wenn wir 740 Meter lange Züge fahren können, was technisch kein Problem ist, haben wir einen enormen Effizienzgewinn von weit über fünf Prozent bei der Kosten­struktur. Und natürlich eine er­hebliche Steigerung bei der Netznutzung.“

Bei all diesen Maßnahmen geht es nicht allein um Effizienz, sondern ganz wesentlich um die ökologische Nachhaltigkeit: Die Reduktion nicht elektrifizierter Streckenabschnitte, der stärkere Einsatz von Hybridloks, die Umsetzung elektromobiler Logistikketten zur Versorgung der Wirtschaftszentren und eine „Green-Logistics-Strategie“ für Handel und Industrie sind zentrale Punkte auf dem Weg von ­
DB Cargo in die multimodale Zukunft.

Neben dem Masterplan Schienengüterverkehr geben eine steigende Nachfrage im operativen Geschäft sowie Wachstumsimpulse aus dem Programm Zukunft Bahn DB Cargo konjunkturellen Rückenwind. Vor diesem Hintergrund hat der Konzern kürzlich die Güterverkehrsoffensive ausgerufen. In ihrem Rahmen hat
DB Cargo bereits 2017 die ersten fünf von geplanten 60 neuen Vectron-Mehrsystemloks im Wert von rund einer Viertelmilliarde Euro angeschafft. Dieses Investment zeige, dass intermodaler Verkehr in einem zukunftsgerechten Güterverkehrskonzept ein entscheidendes Element sei, sagt Raimund Stüer. „Wir sehen einen wachsenden Bedarf und wollen uns hier substanziell entwickeln und Know-how aufbauen – und zwar im Umschlag der Güter und in der Informationszusammenführung zwischen Straßenlogistik, Binnenschifffahrt, Seehäfen und Schienenlogistik.“
Deshalb ist als eine der Entwicklungsmaßnahmen seit dem 1. Januar bei DB Cargo der Bereich intermodale Logistik aktiv. „Wir haben diesen Bereich in unserem Vertriebsbereich DB Cargo Logistics angesiedelt – also dort, wo moderne Logistiklösungen für unterschiedliche Industriegruppen entwickelt werden.“ Fünf Mitarbeiter entwickeln hier Konzepte und Services, bei denen Intermodalität im Fokus steht. Zugleich ist diese Unit ein zentraler Know-how-Pool, um Wissen aufzubauen, zu standardisieren und für alle zugänglich zu machen. Investitionen in den deutschen Güterverkehr brauchen Verantwortung. Multimodalität ist dabei ein zentraler Baustein.

80 %
weniger CO₂ stößt der
Transport auf der Schiene aus

Das Projekt „Digitalisierung intermodaler Lieferketten – KV 4.0“ macht den Transport noch effizienter

Transportbegleitende Statusinformationen sind für alle Akteure im kombinierten Verkehr unerlässlich. Sie müssen zur Ressourcenplanung und für Dispositionsentscheidungen wissen, wo sich die Ware befindet – und wann sie voraussichtlich eintrifft. Doch während im Straßenverkehr die voraus­sichtliche Ankunftszeit heute bereits ein Standard ist, ist sie ihm Bahnverkehr allgemein noch nicht verfügbar. Der Ist-Wert ist bekannt, der ETA-Wert für die „Estimated Time of Arrival“ zu-­meist nicht, was auch an einer lückenhaften Informationsbasis liegt.
Denn durch die hohe Anzahl an Beteiligten im kombinierten Verkehr, die physischen Schnittstellen, also die Terminals, und die länderübergreifenden Anforderungen ist die Informationsverfügbarkeit über die gesamte Kette hinweg eine große Herausforderung. Zwar gibt es ausreichend Informationen über jeden einzelnen Transportabschnitt – aber es fehlt eine zentrale Datenplattform. Das soll sich nun ändern. Im September haben die Verbundpartner Kombiverkehr, 
DB Cargo, Lokomotion, SBB Cargo Deutschland, KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen, Hupac Transport, HOYER, Paneuropa Transport, Hupac Intermodal, Bertschi und Hupac SpA die Arbeiten am Projekt „Digitalisierung intermodaler Lieferketten – KV 4.0“ begonnen. Ziel ist es, die gesamte intermodale Transportkette und den dahinter liegenden logistischen Gesamtprozess akteurs- und länderübergreifend transparenter und übersichtlicher zu gestalten. 

Was wir erreichen wollen ist, die Transparenz intermodaler Transporte über die komplette Lieferkette hinweg durchgängig zu erhöhen. 

CHRISTOPH RENSCHLER,
Leiter Projekt KV 4.0
bei DB Cargo
„Was wir erreichen wollen, ist die Transparenz intermodaler Transporte über die komplette Lieferkette hinweg durchgängig zu erhöhen“, sagt Christoph Renschler, Leiter Projekt KV 4.0 bei DB Cargo. „Dazu wird vom Projektkonsortium, das aus Operateuren, Spediteuren, Terminalbetreibern und Eisenbahnverkehrsunternehmen besteht, eine integrierte Logistikplattform entwickelt, über die Statusinformationen zu den Transporten ausgetauscht und konsolidiert werden. So soll jederzeit und durchgängig nachvollzogen werden können, wo sich der Transport aktuell befindet und wie sich der weitere Verlauf darstellt.“
Der Nutzen für den Kunden ist erheblich: „Durch die End-to-End-Visibility der Transporte wird die Qualität der intermodalen Leistungen erhöht. Durchgängige Statusinformationen können beispielsweise Basis sein für belastbare ETA-Prognosen, die im ­Störungsfall zielgerichtet für erforderliche Umplanungen von Ressourcen eingesetzt und für entsprechende Kundeninformation genutzt werden“, so Sylke Hußmann, Leiterin Carrier Sales im Vertriebsbereich Intermodal und Mitglied im Lenkungskreis KV4.0.
Mithilfe einer neu zu entwickelnden gemeinsamen Datendrehscheibe und über standardisierte Schnittstellen sollen alle Beteiligten einen direkten Zugriff auf die jeweils für sie transport­relevanten Parameter des kombinierten Verkehrs erhalten. Dazu sollen Auftrags- und Fahrplandaten zählen, aber eben auch verfügbare Ankunftsprognosen und transportbegleitende Informationen. So sollen etwa künftig durch automatische Kommunikation zwischen Lkws im Straßenvorlauf und Terminals die Prozesse im Terminal optimiert werden. Treffen Lkws voraussichtlich verspätet ein, so kann der Operateur durch entsprechenden Infor­mationsfluss die freibleibende Stellfläche auf dem Zug anders belegen – und die Kapazitäten damit effizienter nutzen. Für Christoph Renschler ist das Projekt in doppelter Hinsicht eine Herausforderung. Neben der (daten-)technischen Herausforderung ist für den Projekterfolg entscheidend, die Bereitschaft zur Kollaboration im Konsortium, das nicht nur aus Partnern, sondern auch aus direkten Wettbewerbern besteht, zu fördern und aufrechtzu­erhalten: „Die Kunst wird darin bestehen, eine höchstmögliche Transparenz über alle Prozessschritte bei gleichzeiti­ger Wahrung der jeweils unternehmens­relevanten Interna sicherzustellen.“ Zurück in die multimodale Mobilität der Zukunft: Welche Verkehrsträger von ihr letztlich am meisten profitieren werden, ist heute noch nicht absehbar. Entscheidend ist dabei, wie die einzelnen Verkehrsanbieter möglichst schnell den notwendigen Anforderungen dieser Mobilität gerecht werden und daran partizipieren können. Für DB Cargo als einen der führenden Anbieter von verkehrsübergreifendem Schienengüterverkehr liegt genau darin die große Chance.

Das Projekt  wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen der Forschungsinitiative Modernitätsfonds (mFUND) gefördert.