Ford: Fahrzeugtransporte quer durch Europa

Seit Herbst 2019 transportiert DB Cargo Logistics für Ford Fahrzeuge aus Rumänien quer durch Europa.

Mehr als ein Dutzend Ganzzüge fahren jede Woche aus dem Ford-Werk im rumänischen Craiova in bis zu 2.000 Kilometer entfernte Destinationen. Die Stadt in der Walachei im Südwesten des Landes ist ein wichtiger und traditionsreicher Standort der europäischen Automobilproduktion. Ford fertigt dort neben Motoren die Modelle EcoSport und Puma. Ein Teil der Fahrzeuge geht in die Schwarzmeerstadt Constanța – sie sind unter anderem für den Export auf die Iberische Halbinsel bestimmt. Ein anderer Teil der Züge fährt nach Venedig und bedient damit Kunden in Italien.

Sechsstellige Volumina an Ford-Fahrzeugen pro Jahr
Doch die meisten Wagen passieren Ungarn und Österreich mit den Zielorten Neuss in Deutschland, Antwerpen in Belgien sowie Vlissingen in den Niederlanden – dort befindet sich der große Ford-Hub für den britischen Markt. „Dieser Auftrag hat viele Besonderheiten“, sagt Thomas Pries, Account Manager für Ford im Fertigfahrzeug-Bereich bei DB Cargo Logistics. Da sind zum einen die Güterwagen, die die Bahn einsetzt. Für viele Verkehre anderer Autobauer sind sie oft zu niedrig, für die Modelle aus Craiova eignen sie sich perfekt. Rund 400 Wagen der Bauart 553 hält der Logistiker nun vor, um das hohe sechsstellige Volumen im Jahr zu transportieren. „Die Züge nach Nordeuropa sind knapp 700 Meter lang“, erzählt Alexia Flores, die als Projektleiterin bei DB Cargo Logistics für die Konzeption und Implementierung der Verkehre verantwortlich ist und seitdem ebenfalls den Kunden Ford betreut: „Es war nicht einfach, die entsprechenden Routen zu finden.“

Zum anderen konnte die Auslastung der Wagen erhöht werden. DB Cargo Logistics konnte mit seinen Equipmentspezialisten eine Lösung erarbeiten, bei der die Wagen mit zwölf statt bisher elf Fahrzeugen beladen werden können, was die Kapazität um knapp zehn Prozent erhöht.


Für den neuen Puma hat Ford noch einmal kräftig in seine Produktionsanlagen investiert. Quelle: Ford Mediacenter

Fertigfahrzeuglogistik und flexibles Transportkonzept
Schließlich konnte DB Cargo noch weitere Dienstleistungen platzieren und neben dem Transport auch die komplette Verladung der Fahrzeuge übernehmen. Seit September 2019 steuert DB Cargo Romania die Fertigfahrzeuglogistik im Werk – bis dahin erfolgte sie durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ford. Dafür wurde in Craiova ein knapp 30-köpfiges Team eingestellt und geschult.

Mit einem flexiblen Transportkonzept können nun mögliche Schwankungen der Absatzmärkte von vornherein bei der Planung berücksichtigt und die Züge bei Bedarf an die Volatilität der Volumina angepasst werden. Dafür laufen alle Züge nach Nordeuropa über einen zentralen Hub in Bochum. „Je nach Bedarf können wir zwischen den drei Destinationen Antwerpen, Neuss oder Vlissingen switchen“, sagt Flores. Während die Gesamtzahl der wöchentlichen Züge zum Hub überwiegend konstant bleibt, kann die Anzahl der Züge zu den einzelnen Destinationen variieren. Zudem sind, wenn nötig, auch Transporte über die vereinbarten Mengen hinaus möglich.

In fünf Tagen durch Europa
Bis zu fünf Tage benötigen die Wagen für die Reise durch halb Europa: „Wir fahren aktuell 24 Stunden vor der geplanten Abfahrt los, um Puffer für den Grenzübergang zwischen Rumänien und Ungarn zu haben“, sagt Pries. Um die Fracht bei den Halten und Staus zu schützen, hat DB Cargo Logistics zudem eigens Wachpersonal in Rumänien und Ungarn angestellt. Dem Automobilhersteller waren zudem die Flexibilität bei den Abfahrten und die ständige Verfügbarkeit von Wagen wichtig – auch mit ein paar Wagen zur Reserve. Platz ist da, denn Ford hat zuvor bereits die richtigen Voraussetzungen geschaffen: „Das Werk hat mit fünf Gleisen hervorragende Bedingungen für die Eisenbahn“, sagt Pries.

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