Ein Musterbeispiel für Bahnlogistik

UPDATE: Der MULTI HUB HAMM verbindet Schiene, Straße und Wasserwege.

Der einst größte deutsche Rangierbahnhof Hamm (Westfalen) wird zu einem multimodalen Bahnlogistikknoten mit innovativer Verladetechnik und zum Vorzeigeprojekt für klimafreundlichen Schienengüterverkehr. Hamm gehörte 1920 zu den größten Zugbildungsanlagen Europas mit 325 Kilometern Gleis und 430 Metern Breite. Von den aktuell nicht genutzten 85 Hektar Fläche sind jetzt 60 Hektar für innovative Logistik vorgesehen. Auf diesem Areal entwickeln wir gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Hamm und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Hamm-Bielefeld nun eine multimodale Logistikdrehscheibe, die die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße kombiniert. Der Hafen Hamm zählt zu den größten Kanalhäfen in Nordrhein-Westfalen und bringt es auf rund 500.000 Tonnen Güterverkehr auf der Schiene und rund 1,6 Millionen Tonnen Schiffsgüterumschlag pro Jahr. Das Ziel: Mehr Güter von der Straße auf die klimafreundliche Schiene zu bringen – 170.000 Lkw-Fahrten können so pro Jahr eingespart werden.

4.Mai 2022: Entwicklungsagentur gegründet

Um die weiteren Entwicklungsschritte des „MULTI HUBs“ zu koordinieren und voranzutreiben, wurde nun eine eigene Agentur gegründet. Diese setzt sich aus verschiedenen Gesellschaftern zusammen, die die konzeptionelle Umsetzung des trimodalen Logistikareals unterstützen: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hamm hält 51 Prozent der Anteile, die DB Cargo 27 Prozent, die Hamm GmbH 14 Prozent, die Kombiverkehr Deutsche Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr 5 Prozent und Lanfer Logistik 3 Prozent. Als Geschäftsführer wurde von DB Cargo Thomas Hesse bestellt, während die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hamm mbH Marc Berendes als Geschäftsführer bestellt hat. „Damit die Entwicklung des Rangierbahnhofs Hamm zielführend unter Berücksichtigung der involvierten Stakeholder voranschreiten kann, ist eine zentrale Koordinierungsstelle dringend erforderlich“, so Marc Berendes. „Unsere Aufgabe wird es sein, die unterschiedlichen Entwicklungsstränge zusammenzuführen und die Planungsverfahren zu synchronisieren“.

DB219898
Auf Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Hamm Marc Herter und des Bundestagsabgeordneten Michael Thews konnte sich eine Delegation um Michael Theurer, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium Digitales und Verkehr und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, ein Bild von den Entwicklungspotenzialen des einst größten Rangierbahnhofs in Europa machen.


Christoph Dammermann, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, betonte die Bedeutung der Agentur zur Umsetzung des Vorzeigeprojekts: „Die Gründung der Entwicklungsagentur für nachhaltigen Güterverkehr ist ein Meilenstein in Richtung ‚MULTI HUB Westfalen‘ und unterstützt die Stadt Hamm auf dem Weg zum überregionalen und trimodalen Logistikknotenpunkt.“


„MULTI HUB WESTFALEN“ in Hamm auf dem Weg: (v.l.n.r.) Jörg Hensel, Vorsitzender des EVG-Ortsverbandes Hamm-Bielefeld, Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes NRW, und Marc Herter, Oberbürgermeister Stadt Hamm (c) Stadt Hamm


Perfekt positioniert: der MULTI HUB WESTFALEN

Das Areal des ehemaligen Bahnhofs in Hamm liegt ideal zwischen den Wirtschaftszentren des Ruhrgebietes, ist über alle Verkehrsträger optimal angeschlossen und bietet erhebliche Ausbaupotenziale für die Zukunft. Außerdem verfügt der Standort über alle Schnittstellen, die es ermöglichen, Güter mit möglichst geringem CO2-Fußabdruck ans Ziel zu bringen. Das Konzept sieht neben der straßenseitigen Erschließung den Bau und den Betrieb eines multifunktionalen Logistikareals mit öffentlich zugänglichen Terminalanlagen und einer Anbindung an den bestehenden Güterbahnhof, Depotflächen, Logistikhallen und Gleisanschlüsse vor. Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, sagt dazu: „In Hamm entsteht ein westfälisches Modell deutscher Möglichkeiten. Die DB kehrt mit dem Schienengüterverkehr in die Fläche zurück. Um neue und bestehende Kunden für die Schiene zu begeistern, brauchen wir innovative Ansätze wie den MULTI HUB WESTFALEN. Ein Erfolgsgeheimnis liegt in der Vernetzung der Verkehrsmittel. Das Primat des klimafreundlichsten Verkehrsmittels können unsere Kunden auf diese Weise individuell für ihre Lieferketten anpassen.“

Committment für den Schienengüterverkehr

Auch Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes NRW, ist überzeugt: „Deutschland muss wieder Bahnland werden. Dazu gehört die Verlagerung von Güterverkehren von Lkw auf die Schiene und Wasserstraße. Mit der Transformation des ehemaligen Rangierbahnhofs zur multimodalen Verkehrsdrehscheibe wird in der traditionsreichen Eisenbahnstadt Hamm das nächste Kapitel Mobilitätsgeschichte geschrieben. In Zukunft könnten 170.000 Lkw-Fahrten über den neuen MULTI HUB WESTFALEN auf die Schiene gebracht werden und zu Häfen rollen. Das schafft mehr Platz auf den Straßen und schont das Klima. So wird Mobilität besser, sicherer und sauberer. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Projekt gerne.“ Jörg Hensel, der Vorsitzende des EVG-Ortsverbandes Hamm-Bielefeld, ergänzt: „Ein Güterzug ersetzt 52 Lkw-Fahrten. Dass unsere Idee des MULTI HUB WESTFALEN auch noch Hunderte neuer hochwertiger und mitbestimmter Arbeitsplätze schafft, freut uns umso mehr.“

Durch die trimodale Anbindung von Schiene, Wasserstraße und Straße sind die Voraussetzungen ideal, um einen neuen Logistiknoten von überregionaler Bedeutung zu entwickeln. Mit dem Projekt setzt die Stadt Hamm einen wichtigen Impuls für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufbruch in der Region, der zu neuer wirtschaftlicher Dynamik führt. Marc Herter, Oberbürgermeister der Stadt Hamm, ist sicher: „Wir setzen im Strukturwandel auf Innovationen und gute Arbeit. Der Umstieg auf eine nachhaltige Güterverkehrswirtschaft ist Herausforderung und Chance zugleich für den Logistikstandort Hamm. Die Revitalisierung des ehemaligen Rangierbahnhofs ist Herzstück und Motor dieser Entwicklung.“