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Stadt, Land, Meer #1: Schiene und Schiff treffen sich in Rostock

Knotenpunkt für die intermodalen und spezialisierten Angebote von DB Cargo.


110 Häfen können im Netzwerk von DB Cargo angefahren werden: Einer davon ist der Hafen Rostock. Als Universal-Hafen bildet er eine Schnittstelle zwischen Schiene, Straße und Schiffsrouten für unterschiedlichste Güter: von Windrädern für Russland über Container aus China bis zu Papier aus Finnland. Seit April 2020 bietet DB Cargo Eurasia eine neue intermodale Lösung auf der „Short-Sea-Strecke Rostock–Kaliningrad“. Damit wurde eine weitere Verbindung zur neuen Seidenstraße geschaffen.

Es brummt am Überseehafen in Rostock. Insgesamt 25,1 Millionen Tonnen Fracht gingen hier im Jahr 2020 über die Kaikanten, Tendenz steigend. Ein guter Teil davon kommt per Schiene ans Schiff oder rollt – kaum vom Schiff gehievt – mit Wagen von DB Cargo weiter ins sogenannte Hafenhinterland. Und das ist riesig: von Italien bis Skandinavien, von China nach Duisburg – Rostock verbindet.

Was ist eigentlich mit Hafenhinterland gemeint?

Hört sich klein an, kann aber riesengroß sein: Hafenhinterland ist der Bereich, der mit den sogenannten „Hafenantennen“ erreicht wird. Das sind die Routen, die von einem Hafen aus regelmäßig befahren werden. Im Schaubild sieht man, dass diese Strecken wie Antennen vom Hafen ausgehen.

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Eastbound: Verbindung zur Seidenstraße

Mal ehrlich – wer hätte früher an Rostock gedacht, wenn in China ein Sack Reis umfiel? Heute ist das anders: Die neue Seidenstraße boomt und zum Sack Reis gesellen sich Elektronik, Textilien, Dosentomaten, Teiglinge für Brötchen oder – prominentestes Beispiel – Corona-Schutzmasken. Viele dieser Waren werden in Containern auf Züge geladen und von chinesischen Logistikern auf den Weg gebracht. Meist per Schiene über den Landweg, aber immer öfter – zum Beispiel, wenn Bauarbeiten im polnischen Małaszewicze umfahren werden müssen oder der Grenzverkehr stockt – über den Seeweg Kaliningrad–Rostock. Runter von der Bahn, rauf aufs Schiff und umgekehrt. Dann geht es weiter: Westbound. 

Martin Rotbarth kennt den Hafen Rostock von der Pike auf. Schon seine Kindheit verbrachte er in direkter Nachbarschaft zum Hafen und seither zog es ihn an dieses mächtige Ostsee-Drehkreuz. Seit Juni 2018 ist er Commercial Manager für die Euroports, zuvor jedoch schon seit März 2016 Geschäftsführer für die Gesamthafenbetriebsgesellschaft Rostock – eine 100-prozentige Tochter der Euroports. Hafenlogistik ist sein Alltag. Doch seine Begeisterung hat kein bisschen nachgelassen. Selbst für ihn war es ein besonderer Moment, Rostock an der Ostseeküste an Asien anzubinden. „Das war ein visionäres Projekt“, erzählt er von den ersten Schritten. „Das musste in den Köpfen erst mal ankommen. DB Cargo war dabei Vorreiter und hat uns alle mitgenommen.“ Im April 2020 starteten die ersten intermodalen Transporte. 50 Container wurden damals im Monat auf der Schnittstelle Bahn-Schiff befördert, heute sind es 1.000 und der Korridor wächst. Im Vergleich mit großen Containerhäfen mag das zwar nicht viel klingen, aber für Rostock hat dieses neue Angebot große Bedeutung, das den Ostseehafen als Knotenpunkt noch stärker etabliert. DB Cargo Eurasia bedient wöchentlich mit bis zu vier Zügen (Eastbound und Westbound) die Verbindung Xi’an–Kaliningrad–Rostock. Zwei Drittel der Waren sind aus deutscher Sicht Importe, ein Drittel Exporte. Die chinesischen Logistikplattformen nutzen die Strecke über die Ostsee vermehrt, zum Beispiel wenn es Engpässe auf dem Landweg durch überlastete Grenzübergänge, Bauarbeiten an der Bahninfrastruktur oder einen Lokführermangel beispielsweise durch Streiks gibt.

Martin Rotbarth

Er will etwas bewegen.

Für Martin Rotbarth liegt die besondere Qualität des Hafens Rostock in seiner Flexibilität. „Das ist hier ganz anders als in großen Containerhäfen. Wir machen für unsere Kunden alles möglich“, freut er sich. „Kommt ein Schiff drei Stunden früher“, dann steht unser Team drei Stunden früher am Kai. „Ich will etwas bewegen – und hier in Rostock kann ich das.“

Skandinavien-Route: Papier aus Finnland nachhaltig transportiert

So neu wie die Strecke Rostock–Kaliningrad ist, so alt sind die Verbindungen der finnischen Papier- und Zellstoffindustrie nach Rostock. Mit seinen riesigen Wäldern ist das Land im Norden Europas traditionell Lieferant von holzbasierten Produkten. Der finnische Konzern UPM gehört zu den weltweit großen Papierherstellern und beliefert über den Umschlagplatz Hafen Rostock die zentral- und südeuropäische Industrie sowie Druckereien mit Druckpapieren. Joachim Thonagel arbeitet seit fast 30 Jahren im Hafen Rostock und ist dort seit 1992 Director Logistic Distribution für UPM. „Über 600.000 Tonnen UPM-Forstprodukte werden jedes Jahr von Finnland nach Rostock verschifft“, erklärt er die Dimension der Warenströme. „In Rollen von 200 Kilogramm bis 5,5 Tonnen oder auf Paletten kommen sie auf Schiffen an, bevor sie ihre Weiterreise nach Süd- und Zentraleuropa antreten. Der Transport verläuft leider nur in Teilen auf der Schiene, ein- und ausgehend in Rostock ca. 150.000 Tonnen pro Jahr. „Papier ist ein Naturprodukt und die Ansprüche an Nachhaltigkeit sind bei UPM hoch. Aber die Landschaft der Großdruckereien hat sich stark verändert, weiß Thonagel. „Druckereien mit eigenem Gleisanschluss gibt es praktisch nicht mehr. Deshalb gehen Direktabrufe mit kurzer Lieferfrist heute ausschließlich per Lkw raus. UPM nutzt dezentrale Lager im In- und Ausland – damit haben wir die Möglichkeit, wenigstens einen Teil der Ware im konventionellen Verkehr über die Schiene bis in gleisangebundene Lager zu transportieren. Und auch die Transporte nach Italien – beispielsweise Mailand ist ein Zentrum der Druckindustrie – werden klimafreundlich mit DB Cargo realisiert.“ 

Papier ist empfindlich

„Eine der großen Herausforderungen: Papier ist empfindlich. Die Teams der Logistikunternehmen müssen für das Handling ausgebildet sein. Die Rollen müssen mit der richtigen Kraft geklammert werden und die Produkte dürfen keinesfalls nass oder schmutzig werden“, betont Thonagel. „Entsprechend hoch sind unsere Anforderungen zum Beispiel an die Wagen von DB Cargo. Es darf kein Spritzwasser eindringen, auch nicht von unten – und jeder Wagen muss picobello sauber sein.“ 

Joachim Thonagel

Er will mehr.

Joachim Thonagel ist seit fast 30 Jahren im Hafen Rostock in der Papierlogistik tätig. Er hat klare Vorstellungen von reibungsloser und klimafreundlicher Logistik. Dazu gehören vor allem kurze Laufzeiten und Zuverlässigkeit – da sieht er bei DB Cargo Verbesserungspotenziale. Trotzdem wäre sein Wunsch: Mehr Waren auf die Schiene für mehr Klimaschutz. Helfen würden dabei auch die Entwicklung neuer Lagerstandorte mit eigenem Anschlussgleis.

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