Zulieferverkehre über die Schiene

DB Cargo Logistics bindet Magna Stanztechnik mit multimodalen Verkehren an das Netzwerk von Audi an.

Zulieferer der großen Automobilhersteller haben sich bislang schwer damit getan, ihre Lieferketten multimodal zu gestalten. Mit den neu gewonnenen „Kaufteile-Transporten“ für Audi ist es DB Cargo Logistics gelungen, die Chancen zu nutzen, die sich aus der Kombination verschiedener Verkehrsträger ergeben. Die Transporte zwischen Salzgitter und Neckarsulm, die bisher nur über die Straße liefen, sorgen beim Kunden für mehr Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Kundenorientiertes Konzept
Seit Oktober 2019 fährt DB Cargo Logistics Produkte des Automobilzulieferers Magna Stanztechnik in Salzgitter zum Audi-Werk in Neckarsulm. In Salzgitter werden Hilfsrahmen gefertigt, die in Neckarsulm verbaut werden. „Uns ist es gelungen, mit einem kundenorientierten Konzept einen Lieferanten ohne aktiven Gleisanschluss an das bestehende Automotive-Netzwerk anzubinden“, erläutert Heike Armgart-Tilch, Account Managerin bei DB Cargo Logistics. „Weil die gesamte Transportlogistik von der Quelle bis zur Senke durch Tochterunternehmen der Deutschen Bahn realisiert wird, können wir sagen: Das ist ein echtes DB-Produkt.“

Lead Logistics Provider
„Für uns ist das eine sehr reizvolle Lösung“, bestätigt Aranka Schiekel von der Transportplanung Inbound Neckarsulm bei Audi. „Sie bietet uns einen zentralen Ansprechpartner zur Steuerung der gesamten Supply Chain – von der Organisation und Abwicklung der Vorholung und des Umschlages in Braunschweig über den Transport nach Neckarsulm bis hin zur Rückführung des Leerguts.“ So steuert DB Cargo Logistics als Lead Logistics Provider die multimodalen Verkehre in Kooperation mit DB Schenker in Braunschweig. Die operative Abwicklung erfolgt durch den Dispotower von DB Cargo Logistics in Kelsterbach. Bei Bedarf und erhöhtem Frachtaufkommen wird die Werksversorgung durch Sonderfahrten per Lkw parallel zum regelmäßigen Schienenverkehr sichergestellt.

DB Schenker als Kooperationspartner bringt die Fracht per Lkw aus dem Magna-Werk ins rund 20 Kilometer entfernte Braunschweig in eine Umschlagshalle mit Anschluss an das Automotive-Schienennetz. Dort wird sie mit dem Gabelstapler in DB-eigene Güterwagen verladen und zum Weitertransport nach Neckarsulm vorbereitet. „Dieses Modell konnten wir mithilfe unseres Automotive­-Großraumwagens und klassischer Umschlagmethoden wirtschaftlich attraktiv gestalten. Durch die geschickte Kombination der Verkehrsträger kann ein um mehr als zehn Prozent höheres Frachtvolumen pro Sendung transportiert werden“, sagt Armgart-Tilch. Aufgrund der guten Erfahrungen in diesem Pilotprojekt und der unterstellten Skalierbarkeit der Lösung arbeiten DB Cargo und Audi derzeit daran, weitere Transporte ähnlich durchzuführen und das Konzept auf weitere Standorte innerhalb von Europa auszurollen.


Die knapp 17.000 Mitarbeiter in Neckarsulm stellen im Jahr rund 180.000 Fahrzeuge (Stand 2019) her – unter anderem den A8. Quelle: Audi

Intensive Vorbereitungen
Vor Beginn der Zusammenarbeit haben die beiden DB-Töchter eine intensive Vorbereitungsphase durchlaufen und einen Testtransport durchgeführt. „Der Start des Projektes verlief nahezu reibungslos und die Kommunikation zwischen den einzelnen Schnittstellen funktionierte von Beginn an“, sagt Uwe Sanojca, Leiter der Betriebsstelle Braunschweig von DB Schenker. „Auch bei Änderungen im Transportablauf – ob durch den Lieferanten Magna in Salzgitter oder durch den Empfänger Audi in Neckarsulm – können wir zeitnah reagieren.“

Von Braunschweig aus fahren durchschnittlich vier gedeckte Güterwagen am Tag in das Audi-Werk, das über einen eigenen Gleisanschluss verfügt. Der Audi-Verkehr hat zwei direkte Vorteile für DB Cargo: So werden Zulieferverkehre verstärkt in nachhaltige Transportketten eingebunden. Auch steigen damit die Netzwerkauslastung und -stabilität. „Dieser Verkehr belegt, wie attraktiv die Zusammenarbeit zwischen Schiene und Straße für die Kunden ist, wenn beide Verkehrsträger ihre Vorteile einbringen können: ein flexibler Vor- und Nachlauf durch den Lkw, kombiniert mit dem klimafreundlichen Hauptlauf auf der Schiene“, sagt Uwe Sanojca von DB Schenker.

„Mit dem neuen Konzept nutzen wir unsere eigene Infrastruktur optimal.“

Gerald Wohlfarth, Supply Chain Inbound Transportplanung, Audi AG


Optimale Bahninfrastruktur
Audi profitiert von dem neuen Konzept. „Wir konnten unsere eigene Infrastruktur besser auslasten und die bestehenden Prozess-Schwächen einer klassischen KV-Abwicklung optimieren“, bestätigt Gerald Wohlfarth von der Transportplanung Inbound bei Audi in Neckarsulm. Hinzu kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit: „Wir konnten unsere Bahninfrastruktur weiter optimieren und so dazu beitragen, die wirtschaftlichen und nachhaltigen Ziele unseres Unternehmens zu erfüllen“, so Wohlfarth. Mit dem DBeco plus ist die Fahrt auf der Schiene CO2-frei.

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Heike Armgart-Tilch

Account Managerin, DB Cargo Logistics

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